22.06.2026, Startseite
Rockig, melodisch, hymnisch
Die Queen Kings brennen auf der Seebühne ein Feuerwerk aus Queen-Hits ab. Foto: Helmut Pfeifer
Die Queen Kings verneigen sich bei der „Sommerparty am See“ vor Queen
Das Beste kommt ja nicht nur sprichwörtlich oft zum Schluss: Mit „We Will Rock You“ und „We are the Champions“ haben sich die Queen Kings die beiden wohl bekanntesten Titel der Band Queen für die finalen Zugaben aufgespart. Sie sind dann auch das Sahnehäubchen auf einem gelungenen Konzertabend in der unschlagbaren Atmosphäre am Badesee des AQWA: Da ist zunächst der einfache, aber einprägsame Rhythmus aus Stampfen und Klatschen des kraftvollen Rocksongs, gefolgt von der emotionalen Hymne mit ihrem majestätischen Aufbau und dem ebenso eingängigen wie feierlichen Refrain. Ein perfektes Ende für die „Sommerparty am See“, zu der die Stadtwerke Walldorf eingeladen haben.
Mehr als 700 Menschen haben am Seeufer auf den Steinreihen und mitgebrachten Decken Platz genommen und kommen gut zweieinhalb Stunden lang auf ihre Kosten. Das Timing ist gleich doppelt gelungen: Zum einen endet das Konzert, wie von Sänger Sascha Krebs versprochen, kurz nach halb elf, sodass alle Fußballinteressierten noch die zweite Halbzeit des WM-Spiels der deutschen Mannschaft gegen die Elfenbeinküste sehen können. Und zum anderen meldet sich das abendliche Gewitter ebenfalls erst nach Konzertende mit Blitzen am Nachthimmel und Donnergrollen an. Nur die Abkühlung, die sich mancher nach einem langen und heißen Sommertag vielleicht schon begleitend zur Musik wünschen würde, ist nicht möglich, wird der Badebetrieb doch eine Stunde vor Konzertbeginn eingestellt. „Sonst bräuchten wir hier 300 Bademeister“, begründet das Eddie Berlinghof, der Vorsitzende des Kulturfördervereins Kurpfalz, in seiner Begrüßung.
Dann legen auch schon die Queen Kings los, die nach eigener Darstellung als eine der besten Queen-Tribute-Bands gelten und schon seit vielen Jahren durch Deutschland und Europa touren. Leadsänger Sascha Krebs aus Sandhausen ist in der Region bestens bekannt, mit ihm teilen sich Rolf Sander (Bass), Christof Wetter (Keyboard), Drazen Zalac (Gitarre), Oliver Kerstan (Schlagzeug) und Susann de Bollier (Gesang) die Seebühne. Das druckvolle „One Vision“ ist wie bei den Queen-Konzerten auf der „Magic“-Tour 1986 ein prima Opener, die Aufforderung, gerne mitzuklatschen, wird im Publikum bereitwillig aufgegriffen. Mit „Tie your Mother down“, einer Brian-May-Komposition, geht es sogar noch einen Tick rockiger und gitarrenlastiger weiter. Beim eingängigen und melodischen „I want to Break Free“ sind schon die ersten Zuhörer aufgestanden und tanzen. Amüsanter Unterschied zum Original: Während bei den großen Queen-Shows der achtziger Jahre der zur Unterstützung der vier eigentlichen Bandmitglieder engagierte Keyboarder Spike Edney meist seitlich und im Hintergrund auf der Bühne stehen musste, während die Herren Mercury, May, Deacon und Taylor naturgemäß im Mittelpunkt waren, darf bei den Queen Kings Keyboarder Christof Wetter mit seiner tragbaren Keytar sogar aufs Podest im Epizentrum der Bühne klettern.
„Wir widmen uns der Musik, ohne Kostümshow“, macht Sascha Krebs in einer seiner Ansagen deutlich, dass man Queen zwar huldigt, sie aber nicht kopiert. „Es ehrt uns“, freut er sich über die große Publikumsresonanz trotz Fußball-WM. Mit „Good Old-Fashioned Lover Boy“ haben die Queen Kings zwischendurch auch einen Song im Gepäck, den sicher nicht jeder kennt. Dafür können „Somebody to Love“ (laut Krebs das Lieblingslied von Freddy Mercury) wieder viele mitsingen. Das treibende „Under Presure“ wird stürmisch begrüßt, Susann de Bollier übernimmt souverän den David-Bowie-Part. „Killer Queen“ hält die Stimmung am Kochen und Basser Rolf Sander, der in seinen knallgelben John-Deacon-Gedächtnis-Shorts zumindest ein bisschen Kostümshow bietet, darf das höllisch groovende „Another One Bites the Dust“ einleiten und im Mittelteil ein Solo einstreuen.
So reiht sich bei bester Stimmung ein Queen-Hit an den nächsten, ob „Crazy Little Thing Called Love“, „A Kind of Magic“ oder „I Want it all“, bei dessen Refrain wieder zahlreiche Hände mitklatschen, während die Nebelmaschine Rauchschwaden über den Badesee treibt – wer an „Smoke on the Water“ denkt, hat sich allerdings in der Band geirrt. Das melancholische „These are the Days of our Lives“, für viele sinnbildlich für Freddie Mercurys letzte Zeit vor seinem Tod 1991, singen Sascha Krebs und Susann de Bollier im Duett, „Who Wants to Live Forever“ weckt selige Erinnerungen an den Film „Highlander“. Und in Richtung Finale geht es dann mit Krachern wie „Don’t Stop me now“ und natürlich „Bohemian Rhapsody“, bei dem sich Krebs auch mal ans Klavier setzt. „Ihr wart fantastisch, vielen Dank fürs Kommen“, bedankt er sich beim Publikum. Das erklatscht sich seine Zugaben: „Friends will be Friends“, „Radio Gaga“ und schließlich „We Will Rock You“ und „We Are the Champions“ als krönenden Abschluss.
Und dann ist da noch die vom Sandhäuser Sänger geschilderte Legende, nach der es früher im Walldorfer Freibad einen Nachwächter mit drei abgerichteten Schäferhunde gegeben habe, um unliebsame Gäste fernzuhalten. Deshalb („das ist verjährt“) sei er hier nie nachts zum Baden über den Zaun gestiegen, so Krebs. „Ich bin immer nach Sanktlee.“ Ob’s stimmt, bleibt leider zunächst offen.