04.03.2026, Startseite

Tierische Rasenmäher unterstützen den Forst

Die Rinder fühlen sich im Reilinger Eck sichtlich wohl. Foto: Stadt Walldorf

Gezielte Stoßbeweidung im Reilinger Eck

Zehn Rinder, jeweils eine Mischung aus den Rassen Galloway und Zwergzebu, liegen zum Teil auf dem Boden oder kauen stehend am Gras, als sich Revierförster Achim Freund ihnen langsam nähert. Neugierig, aber auf Abstand bedacht, schauen die Tiere, was der Besucher vorhat. Der will einfach mal nach dem Rechten sehen: Die Rinder sind seit Ende Februar in einem acht Hektar großen Waldgebiet im Reilinger Eck nahe der Waldweide untergebracht. Dort werden sie von der Firma Herbana für die Dauer von vier Wochen zur Stoßbeweidung eingesetzt.

„Unser Ziel ist es, den Bewuchs dominanter Gräser im Steppen-Kiefern-Wald mit Land-Reitgras deutlich zu reduzieren und die seltenen Pionierarten zu fördern“, erklärt Achim Freund die Maßnahme. „Wir wollen das Gras hier nicht in der Dominanz haben, wie es momentan der Fall ist“, so Freund. Die Fläche von Menschenhand zu mähen, sei keine wünschenswerte Alternative – das müsste man bis zu viermal im Jahr durchführen, um eine Reduktion zu erzielen. Deswegen biete sich die Beweidung durch die Tiere an, die im FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) erstmals durchgeführt wird. Die Tiere seien ein „Werkzeug“ zur Pflege der Flächen. Das sei auch notwendig, um im Artenschutz die Ziele zu erreichen. 

Das Areal ist mit einem Elektrozaun gesichert, in dem sich die Tiere frei bewegen können. Nur die sechs Hordengatter auf dem Gelände sind für sie nicht zugänglich, denn damit werden frisch gesäte Eichen vor Wild- und Weidetierfraß geschützt. Der Kiefernwald ist durch veränderte klimatische Bedingungen stark beschädigt, deswegen werden junge Bäume nachgezogen. Aktuell sind das die heimischen Arten Stiel- und Traubeneiche sowie die mediterrane Flaumeiche.

Zu fressen gibt es für die Rinder jedenfalls genug. Überall, wohin man blickt, wächst das Land-Reitgras – teilweise sehr dicht. In der Sommer-Waldweide gleich nebenan sieht es ganz anders aus: Hier kommen von April bis Oktober zwei Esel zum „Einsatz“. Das Land-Reitgras sucht man auf der Waldweide vergebens. Einen ähnlichen Erfolg erhofft man sich von der aktuellen Stoßbeweidung. 

Der intensive Fraß in einer kurzen Zeitspanne ist für Achim Freund „ein echter Gewinn“. Durch den selektiven Verbiss und das gezielte Aufreißen der Grasnarbe „schaffen die Tiere wertvolle Keimbeete für Pionierarten“. Zudem fördern sie direkt die Biodiversität, da ihr Dung die Lebensgrundlage für Insekten und damit auch für die Vögel im Vogelschutzgebiet bildet. Von dem Kot produzieren die Rinder reichlich: Eine Kuh frisst in einem Monat etwa so viel Gras, wie sie selbst wiegt. Bei einem etwa 300 Kilogramm schweren Tier und zehn Tieren insgesamt sind das rund drei Tonnen, die alleine während der Stoßbeweidung zusammenkommen. 

Von Spaziergängern dürfen die Tiere übrigens nicht gefüttert werden – das kann für sie unter Umständen tödlich enden. Außerdem weist Achim Freund auf den im Waldgebiet herrschenden Leinenzwang für Hunde hin, der seit dem 1. Februar im Waldschutzgebiet Schwetzinger Hardt gilt. „So sollen seltene Vogelarten ungestört balzen, brüten und ihren Nachwuchs großziehen.“