30.09.2026, Startseite
Walldorf hält die Betreuungsgebühren unverändert niedrig
Kinderbetreuung erfordert Flexibilität, weil sich das Nutzungsverhalten immer wieder verändert. So wird im Kommunalen Kindergarten derzeit die Krippengruppe nicht mehr nachgefragt und das Angebot läuft deshalb aus. Foto: Stadt Walldorf
Kindergartenbedarfsplan und Schulbericht im Gemeinderat
„Das ist eine tolle Unterstützung für Familien“, sagt Hanni Derr. Nach gerade zwei Wochen in Diensten der Stadt hat die neue Leiterin des Fachbereichs Zentrale Verwaltung noch ein Stück weit „den Blick von außen“. Dass die Kinderbetreuungsgebühren in Walldorf seit 2013 unverändert niedrig geblieben sind, ist deshalb aus ihrer Sicht auch ein wichtiger Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Und obwohl die kommunalen Spitzenverbände und die Kirchen in ihren Beitragsempfehlungen angesichts beständig steigender Personal-, Energie- und Sachkosten längst ganz andere Dimensionen erreicht und diese seither durchschnittlich um stolze 78 Prozent erhöht haben, bleibt die Stadt bei ihrem Ziel, Familien finanziell zu entlasten. „Wir würden nicht empfehlen, die Beiträge zu erhöhen“, sagt Hanni Derr für die Stadtverwaltung.
Der Gemeinderat folgt dieser Empfehlung der Verwaltung einhellig und beschließt neben der Kindergartenbedarfsplanung fürs laufende Jahr auch, die bisherigen Beiträge beizubehalten. „Wir wollen weiter eine kinderfreundliche Kommune sein“, sagt Katrin Siebold (CDU). „Die SPD will die Beiträge nicht erhöhen“, erklärt Dr. Andrea Schröder-Ritzrau für ihre Fraktion. „Aufgrund der guten Finanzsituation der Stadt“ sei eine Erhöhung „nicht notwendig“, argumentiert Dr. Günter Willinger (FDP) mit Blick darauf, „Familien zu entlasten“. Wilfried Weisbrod (Bündnis 90/Die Grünen) sieht „keinen anderen Ort in Baden-Württemberg“, in dem die Betreuung „ähnlich breit und günstig“ aufgestellt sei. Und auch für Mihriban Gönenç (Zusammen für Walldorf) gehört es „zu einer familien- und kinderfreundlichen Stadt“ die Eltern bei den Betreuungskosten weiterhin zu entlasten. Nur Mathias Pütz (CDU) mahnt mit Blick auf die Zukunft: Sollte sich irgendwann an der guten Finanzsituation etwas ändern, „können wir die Beiträge nicht sprunghaft erhöhen“.
Bürgermeister Matthias Renschler dankt Judith Schleweis und Silke Schuster aus dem Fachdienst Kinder, Jugend, Familie, Schulen für die Erstellung der umfangreichen Berichte – ein Dank, dem sich die Sprecher der Fraktionen in ihren Stellungnahmen anschließen. Hanni Derr hat mit Blick auf die Bedarfsplanung für den Rat „die gute Nachricht“, dass sowohl die Betreuungsplätze (626 für über dreijährige Kinder und 195 im Krippenbereich) als auch die Angebote für die Nachfrage ausreichen. Eine Herausforderung bleibe trotz leicht rückläufiger Kinderzahlen aber der Fachkräftemangel. Sorge bereitet hier weiterhin vor allem die Lage im katholischen Kindergarten St. Marien. Obwohl die Einrichtung eigentlich 54 Plätze bietet, können seit Mitte 2023 wegen Personalmangels nur rund 30 Kinder betreut werden. Aktuell läuft der Betrieb mit einer Gruppe und nur noch 22 Plätzen in verlängerter Öffnungszeit. Die fehlenden Plätze werden anderweitig aufgefangen, etwa im Kinderhaus Schulstraße der Zipfelmützen. Dauerhaft sei das jedoch keine Lösung, Gespräche mit dem Träger laufen. Im Krippenbereich beobachtet man dagegen eine leicht sinkende Nachfrage, sodass die seit 2023 bestehende Krippengruppe im Kommunalen Kindergarten nur so lange weitergeführt werden soll, bis alle Kinder in den Kindergarten gewechselt sind.
Insgesamt zeigt der Bedarfsplan allerdings auch, dass es aus personellen Gründen schwierig ist, eine Betreuungszeit von zehn Stunden am Tag anzubieten. Sowohl Andrea Schröder-Ritzrau als auch Günter Willinger drängen in ihren Stellungnahmen darauf, den Bedarf zu ermitteln und dann möglichst auch zu decken. „Die Personalsituation bleibt eine große Herausforderung“, meint Katrin Siebold. „Für Eltern ist wichtig, dass Betreuung verlässlich stattfindet“, sagt Mihriban Gönenç.
Hanni Derr geht auch auf die Fachberatung in den kommunalen Kindertagesstätten ein. Seit September greift die Stadt dafür auf externe Unterstützung zurück. Fachliche Beratung für Leitungen und pädagogische Kräfte sei sowohl für die Qualitätsentwicklung als auch für das Kindeswohl unverzichtbar. Die Kosten in Höhe von 18.000 Euro im Jahr hat der Gemeinderat bereits Ende Juli bewilligt.
Der Schulbericht, den das Gremium nur zur Kenntnis zu nehmen hat, zeigt unter anderem die Wirkung der neuen Schulbezirksregelung auf: Für das begonnene Schuljahr gibt es an beiden Grundschulen eine gleichmäßige Verteilung. Neu ist die Juniorklasse an der Schillerschule, die die bisherige Grundschulförderklasse ersetzt und Kindern mit Förderbedarf bessere Teilhabe am Schulalltag ermöglichen soll. Die Waldschule kann trotz des Wegfalls des Werkrealschulabschlusses weiterhin eine gesicherte fünfte Klasse bilden. Zudem profitiert sie vom Startchancen-Programm von Bund und Land, das Investitionen in Ausstattung, Gebäude, Personal sowie Schul- und Unterrichtsentwicklung ermöglicht.