22.04.2026, Startseite

Wie steht es um die Artenvielfalt am Hochholzer See?

Der Hochholzer See und sein Uferbereich beherbergen viele Tiere und Pflanzen. In welchem Umfang genau ermittelt aktuell im Auftrag der Stadt das Büro Spang. Fischer. Natzschka. Foto: Stadt Walldorf

Biodiversitätsmonitoring wird fortgesetzt – Bürger können sich beteiligen

Der Hochholzer See, einst aus einer Kiesgrube für den Bau der A6 entstanden, gilt heute als idyllisches Naherholungsgebiet – und als ökologisch wertvoller Lebensraum. Allerdings, so Alena Müller (Fachbereichsleiterin Ordnung und Umwelt) in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats, gibt es vom Angelsportverein, der das Gewässer betreut, seit einiger Zeit die Rückmeldungen, die Zahl der Vogelarten gehe zurück. „Mit dem Biodiversitätsmonitoring wollen wir den Stand null erfassen“, sagt sie über die jetzt vorgestellten Zwischenergebnisse des Büros Spang. Fischer. Natzschka. Damit könne man auch „eine Vergleichbarkeit mit ähnlichen Gewässern herstellen“. 2026 werde das Monitoring fortgesetzt und ausgeweitet. „Wir erhoffen uns ein umfassendes Bild“, so die Fachbereichsleiterin. Falls sich daraus gezielte Maßnahmen ergeben sollten, werde man auf den Gemeinderat zukommen.

Dieses Jahr soll zusätzlich unter anderem die Wasserqualität untersucht und der Reptilienbestand erfasst werden. „Wir wollen auch die Bürgerschaft einbinden“, sagt Alena Müller. In einem sogenannten „Citizen Science“-Projekt können alle Interessierten Tierfunde melden. Per QR-Code – die Schilder werden in Kürze rund um den See angebracht – kann man dann Fotos in der App „iNaturalist“ und dort in die Rubrik „Naturschutzgarten Hochholzer See“ hochladen. „Es gibt eine große Community, die die Fotos verifiziert“, erläutert Benedikt Seelbach vom Fachdienst Umwelt. „Je mehr Leute mitmachen, desto besser wird das Ergebnis.“

Diplom-Biologin Katrin Kubiczek (Spang. Fischer. Natzschka) stellt in der Sitzung die wichtigsten Ergebnisse der über 50-seitigen Dokumentation des Monitorings fürs Jahr 2025 vor. So habe man rund um den etwa vier Hektar großen See insgesamt 23 Biotoptypen erfasst. Neben der offenen Wasserfläche sind das unter anderem Schilfröhrichte und Sandflächen. „Die Uferbereiche bestehen überwiegend aus geschützten Waldbiotopen“, sagt Katrin Kubiczek und ordnet den meisten Lebensräumen eine mittlere bis hohe naturschutzfachliche Bedeutung zu.

Erfüllt wurden die Erwartungen der Biologen mit Blick auf die Fledermäuse. „Wir haben mindestens elf Arten festgestellt, das ist rund die Hälfte aller in Baden-Württemberg vorkommenden“, sagt Kubiczek. Nicht ganz so gut sieht es bei den Vögeln aus. „Wir haben 44 Arten erfasst, davon brüten 34 im Untersuchungsgebiet.“ Allerdings seien nur drei der Arten ans Gewässer gebunden und man habe nur ein Paar entdeckt. „Da hätten wir schon mehr erwartet“, erklärt die Biologin. Einige der Vögel stünden auf der Roten Liste in Deutschland oder Baden-Württemberg, jedoch seien es kaum Wasservögel, sondern vielmehr „die typischen Arten von Mischwaldbeständen oder Waldrändern“. So gebe es besonders häufig Höhlen- und Nischenbrüter, die in alten Bäumen und Nistkästen geeignete Plätze finden. 

Bei den Amphibien sind die Biologen nur auf zwei Arten gestoßen. Auch hier gilt: Angesichts der großen Wasserfläche habe man „mehr erwartet“. Es dominieren die Erdkröten, während Teichfrösche nur in geringer Zahl vorkommen. Die Libellenfauna ist mit 15 Arten vergleichsweise vielfältig. Mindestens sechs dieser Arten nutzen den See zur Reproduktion, alle 15 sind „besonders geschützt“.

Bis Ende des Jahres wird das Büro seinen Gesamtbericht erstellen. Basierend darauf könnte dann ein Maßnahmenkonzept erstellt werden, so Katrin Kubiczek. Stadtrat Maximilian Himberger (Bündnis 90/Die Grünen) erkundigt sich, ob man schon Hinweise gefunden habe, warum der Brutvogelbestand so niedrig sei. Einen definitiven Grund dafür habe man noch nicht ermittelt, sagt die Biologin, Störungen durch Besucher könnten aber Beeinträchtigungen darstellen. Hier ist man bereits tätig geworden und hat einige der „Schleichwege“ rund um den See mit Totholz blockiert, um die Störungen im Uferbereich zu reduzieren. „Könnten auch die großen Welse im See ein Grund sein?“, fragt Uwe Lindner (CDU). „Der Fischbestand könnte andere Arten nachhaltig beeinflussen“, sagt die Biologin. Weitere Erkenntnisse erhofft man sich aus der Fortsetzung des Monitorings.