17.06.2026, Startseite

„Wir wollen, dass der Steinkauz ein Allerweltsvogel wird“

Freuen sich über den guten Zustand der drei Jungvögel, die im Walldorfer Tierpark geschlüpft sind und bereit für den Umzug in die freie
Wildbahn gemacht werden: (v.li.) Hannah Grohmann, Auszubildende im Tierpark, Michael Ziara, Vorsitzender des BUND-Ortsverbands Dossenheim, Tierpfleger Timon Hillger, Joshua Förg, Kurator für Vögel, Reptilien und Amphibien im Heidelberger Zoo, David Högerich, Leiter der
Wohnungswirtschaft, und Leonhard Aistleitner, Vogelrevierleiter im Heidelberger Zoo. Foto: Stadt Walldorf

Erstmals werden drei junge Steinkäuze aus dem Walldorfer Tierpark ausgewildert

Was im Jahr 2020 mit einem bekannten Brutpaar in der Rhein-Neckar-Region begonnen hat, hat sich im Laufe der letzten Jahre zu einem echten Erfolgsprojekt im Artenschutz entwickelt: Die Population des Steinkauzes wird dank der Initiative des BUND-Ortsverbands Dossenheim mit seinem Projekt „Gemeinsam für den Steinkauz“ immer größer. „Wir gehen zum derzeitigen Stand von 23 Brutpaaren und mindestens 83 Jungtieren in diesem Jahr aus.“, so Michael Ziara, Vorsitzender des Ortsverbands und Leiter des Projekts. Damit übertreffe man das bisherige Rekordjahr 2024 mit 48 Jungtieren deutlich. 

Für das Projekt braucht es starke Partner: Von Anfang an sitzt der Heidelberger Zoo mit im Boot. Seit Beginn dieses Jahres ist auch der Walldorfer Tierpark mit dabei. Der beheimatet seit Ende 2024 ein Steinkauzpaar, damals im Rahmen eines Auswilderungsprojekts des Büros für Feldfaunistik. Aufgrund der räumlichen Nähe habe man sich nun für die Zusammenarbeit mit dem BUND Dossenheim entschlossen. „Wir freuen uns sehr, dass es bereits im ersten Jahr unserer Kooperation zum Bruterfolg kam“, so David Högerich, Leiter des Eigenbetriebs Wohnungswirtschaft, in dessen Zuständigkeit der Tierpark fällt, über die drei Jungtiere, die in Walldorf das Licht der Welt erblickt haben und nun für die Auswilderung abgeholt werden.

„Wir sind die Experten, wenn es um die Zucht und Artenerhaltung geht“, beschreibt Joshua Förg, Kurator für Vögel, Reptilien und Amphibien im Heidelberger Zoo, die Rolle seiner Einrichtung. Er ist zusammen mit Leonhard Aistleitner, Vogelrevierleiter im Heidelberger Zoo, gekommen, um der Auswilderung der Steinkäuze beizuwohnen. Der BUND Dossenheim mache es mit dem Steinkauzprojekt „ganz fantastisch“, lobt Förg den Einsatz der Naturschützer. Der Zoo Heidelberg finanziert das Projekt über den „Artenschutz-Euro“, der über jedes Ticket beim Eintritt gezahlt wird und direkt in Artenschutzprojekte investiert wird. 

Das Projekt mit dem Steinkauz habe Modellcharakter und sei einzigartig in Deutschland. „Wir haben mit der Auswilderung der Steinkäuze das mit Abstand wissenschaftlich fundierteste Projekt“, ist sich Förg sicher. Das Ziel sei, dass die Population der Vögel in Zukunft selbsttragend ist und man nicht dauerhaft auswildern müsse: „Wir wollen, dass der Steinkauz ein Allerweltsvogel wird.“ 

Dafür braucht der Steinkauz ein Habitat, in dem er sich wohlfühlt und in dem er ausreichend Nahrung findet. Er frisst vor allem Mäuse, greift aber auch mal auf Insekten wie Käfer zurück. Der Steinkauz bevorzugt offene, strukturreiche Kulturlandschaften, Streuobstwiesen beispielsweise, von denen es nur noch wenige Restbestände gebe. Mehrere BUND- und NABU-Gruppen, lokale Naturschützer und die Schülerfirma MIDENA versuchen dem entgegenzuwirken, indem sie alte Bäume pflegen, Streuobstwiesen und beweidete Flächen erhalten und künstliche Nisthilfen anbringen. Die Tiere seien sehr standorttreu, je nach Habitat umfasse ihr Revier zwei Hektar oder mehr.

Auch für die drei jungen Steinkäuze ist solch ein Habitat im Raum Dossenheim vorgesehen. Zunächst werden die Vögel aber von Michael Ziara beringt. Patricia Reister, die ebenfalls im Vorstand des BUND-Ortsverbands Dossenheim engagiert ist, unterstützt ihn dabei. Aus Walldorf helfen der Tierpfleger Timon Hillger und die Auszubildende Hannah Grohmann mit. „Die Tiere wirken sehr vital, Ihr habt super Arbeit gemacht“, lobt Michael Ziara die Mitarbeiter des Tierparks. 

In einer Transportbox geht es für die Jungtiere dann mit dem Auto in die Zielregion. Jeder Vogel wird zu einer bereits bestehenden Brut in einen Nistkasten gesetzt. „Die Elterntiere akzeptieren sie dann problemlos als ihre eigenen“, weiß Ziara. Er übernimmt den „Umzug“ der Tiere in ihr neues Zuhause vor Ort. Die Kästen befinden sich jeweils in Bäumen, zu denen sich Ziara mit einer Leiter Zugang verschafft. Ein prüfender Blick in die Kästen zeigt, dass alles in Ordnung ist und die „Walldorfer“ Käuze in ein sicheres Zuhause gesetzt werden. 

Für David Högerich ist es nicht selbstverständlich, so nah in die Auswilderung der Tiere aus dem Tierpark involviert zu sein. „Wir freuen uns, hier so wertschätzend aufgenommen worden zu sein“, sagt er zur Teilnahme am Projekt, das hervorragend zur Weiterentwicklung des Tierparks passe, der sich „den Artenerhalt auf die Fahnen geschrieben hat“.