Aktuelles

13.03.2026,

Haushaltsrede FDP-Fraktion 2026

Sehr geehrter Bürgermeister Renschler,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Walldorferinnen und Walldorfer,

„Walldorf geht es gut“ – mit dieser Einschätzung hat unser Bürgermeister den Haushaltsentwurf für 2026 eingebracht. Wir haben eine bunte, lebendige und engagierte Stadtgesellschaft und auch wirtschaftlich steht Walldorf weiterhin auf einem stabilen Fundament. Das ist – und das zeigt der Blick auf viele Kommunen im Umland – leider keine Selbstverständlichkeit. Es ist das Ergebnis solider Haushaltsführung, verlässlicher Gewerbesteuereinnahmen, aber auch einer Stadtpolitik, die in den vergangenen Jahren mutige und zugleich verantwortungsvolle Entscheidungen getroffen hat. Dafür gilt unser ausdrücklicher Dank allen Kolleginnen und Kollegen hier im Rund und der gesamten Verwaltung.

Gerade in wirtschaftlich guten Zeiten ist es unsere Pflicht, nicht leichtfertig zu werden. Liberale Haushaltspolitik heißt für uns: vorausschauend denken, solide wirtschaften und Prioritäten klar benennen. Investitionen sind wichtig – sie dürfen jedoch niemals zum Selbstzweck werden. Jede Ausgabe muss sich daran messen lassen, ob sie langfristig Nutzen stiftet, Generationengerechtigkeit wahrt und mit Augenmaß erfolgt.

In einer Haushaltsrede ist es natürlich nicht möglich, auf jede Zahl und jedes Handlungsfeld einzugehen. Ich möchte im Folgenden einige aus unserer Sicht zentrale Bereiche aufgreifen.

1. Betreuung und Bildung, Kinder und Jugend
Bildung ist für uns Freie Demokraten der wichtigste Schlüssel zu Chancengerechtigkeit. Der Haushalt 2026 setzt hier erneut wichtige Akzente – und wir unterstützen das ausdrücklich.

Die Investitionen in unsere Walldorfer Schulen, in digitale Ausstattung, Schulsozialarbeit und Betreuungseinrichtungen sind richtig und notwendig. Die Wald- und Sambugaschule können zum kommenden Schuljahr ihre neuen Gebäude beziehen und sich in absehbarer Zeit über das neu gestaltete Außengelände freuen. Auch am Schulzentrum investieren wir weiterhin in den Aus- und Anbau von Räumlichkeiten. 

In diesem Zusammenhang ist es uns wichtig zu betonen, dass auch die Verkehrssicherheit auf den Wegen zu unseren Schulen intensiver betrachtet werden muss. Sichere Schulwege sind für uns eine zentrale Voraussetzung dafür, dass Schülerinnen und Schüler zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule kommen können.

Für die Schillerschule halten wir es für notwendig, zeitnah über den schon lange diskutierten sogenannten „Weisbrod-Bau“ zu sprechen, den wir bereits in den vergangenen Haushaltsreden angesprochen haben. Wie soll es mit diesem Gebäude weitergehen? Wie kann ein umfassendes Sanierungskonzept für die alten Gebäude auf dem Areal der Schillerschule aussehen? Auch das Feuerwehrhaus, das in absehbarer Zeit durch den Neubau frei wird, sollte in diese Überlegungen einbezogen werden. Wir halten ein „Haus der Vereine“ für eine mögliche Nutzung des alten Feuerwehrhauses. Dort könnten Vereine, Volkshochschule oder auch die Musikschule Räume erhalten. Dies muss jedoch in einem Gesamtkonzept gedacht werden, das wir für dringend notwendig erachten.

Im Bildungsbereich stellt uns die Landespolitik mit ihrem Bildungspaket vor neue Herausforderungen. Wir bedauern sehr, dass die jetzige Landesregierung beschlossen hat, die Werkrealschule bis 2030 auslaufen zu lassen. Umso unverständlicher ist für uns, dass eine Kooperation mit der Walldorfer Realschule an formalen Vorgaben scheitert, statt im Interesse der Schülerinnen und Schüler pragmatische Lösungen zu ermöglichen.

Im Bereich der Betreuung wird uns auch in diesem Jahr der Fachkräftemangel begleiten. In den vergangenen Monaten mussten in kommunalen Kitas erneut Öffnungszeiten reduziert werden – eine Entwicklung, die wir sehr kritisch sehen, da sie erhebliche Auswirkungen auf die betroffenen Familien hat. Und auch für die pädagogischen Fachkräfte bedeutet die angespannte personelle Situation zusätzlichen Stress und eine hohe Arbeitsbelastung. Fehlt eine verlässliche Kinderbetreuung, bleibt vielen Eltern keine andere Wahl, als ihre berufliche Perspektive einzuschränken oder ganz aufzugeben. Deshalb muss Kinderbetreuung als tragende Säule unserer Gesellschaft deutlich stärker wahrgenommen werden. Umso wichtiger ist es, dass unsere Stadt weiterhin alles daransetzt, qualifizierte Erzieherinnen und Erzieher zu gewinnen und langfristig zu binden. Mehr Mitarbeiterwohnungen sind hierfür ein sinnvoller Schritt, doch es braucht sicherlich noch weitere Bemühungen, einen verstärkten Fokus auf Ausbildung und einen engen Austausch mit den Einrichtungen. 

Auch die Situation der Tageseltern als qualifizierte Betreuung in familiärer Atmosphäre möchten wir ansprechen. Der Kreis hat die Zuschüsse in diesem Bereich erneut deutlich gekürzt – die FDP-Kreistagsfraktion hat richtigerweise gegen diesen Beschluss gestimmt. Tageseltern geraten dadurch zunehmend in eine Situation, in der sie gegenüber Kindertagesstätten nicht mehr konkurrenzfähig sind. Somit droht eine wichtige Säule unserer Betreuungslandschaft schrittweise wegzufallen. Diese Entwicklung sehen wir sehr kritisch. Unsere Einflussnahme als Kommune ist hier begrenzt, dennoch sollten wir in Walldorf prüfen, wie wir Tageseltern vor Ort besser unterstützen können.

Als Mutter von zwei Kita-Kindern weiß ich aus eigener Erfahrung, was verlässliche und gute Betreuung im Alltag bedeutet. Deshalb möchte ich im Namen meiner Fraktion unseren besonderen Dank an alle Erzieherinnen und Erzieher, an die Tagesmütter und Tagesväter sowie an alle im Bildungs- und Betreuungsbereich Tätigen aussprechen. Sie leisten Tag für Tag mit großem Engagement, Fachwissen und Herz eine Arbeit, die für unsere Kinder und Jugendlichen – und auch für die Eltern – von unschätzbarem Wert ist.

Ab dem Schuljahr 2026/2027 wird der schrittweise eingeführte Rechtsanspruch auf ganztägige Förderung für Kinder im Grundschulalter Realität. In Walldorf sind wir hier bereits gut aufgestellt. Wir gehen davon aus, dass uns die Verwaltung in diesem Prozess weiterhin transparent, frühzeitig und umfassend informieren wird.

Wichtig ist für uns, bei allen Entwicklungen im Bildungs- und Betreuungsbereich stets die Leitungen sowie die Eltern- und Schülervertretungen einzubeziehen. Nur in Kooperation mit den Betroffenen können tragfähige Lösungen entstehen.

Für Walldorfer Kinder, Jugendliche und Familien gibt es ein breites Angebot an Einrichtungen, die sie in ihrer Freizeit besuchen können. Erwähnenswert sind hier unsere Stadtbücherei, das Aqwa, die Musikschule, die Volkshochschule, der Tierpark, das JUMP sowie die mobile Jugendarbeit. Auch hier gilt: Jugendliche sollten, wo es möglich ist, in Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Wir würden uns daher freuen, wenn das Vorhaben eines Jugendgemeinderats 2026 weiter vorangebracht wird – unsere Unterstützung habt ihr in jedem Fall.
Herausgreifen möchte ich heute unseren Tierpark. Dieser wird in den kommenden Jahren schrittweise umgebaut und fit für die Zukunft gemacht. Im ersten Schritt wird ein neues Betriebsgebäude errichtet, in dem auch ein Klassenzimmer integriert ist – analog zum Waldklassenzimmer –, um dort pädagogische Bildungsangebote für Kita- und Schulklassen zu ermöglichen. Wir freuen uns auf diesen Prozess und begleiten ihn gerne.

2. Seniorinnen und Senioren 
Eine generationengerechte Stadtpolitik endet nicht bei Kindern und Jugendlichen – sie muss ebenso die Bedürfnisse unserer älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger in den Blick nehmen. Umso mehr freuen wir uns, dass in diesem Jahr der Spatenstich für das neue Pflegeheim im Gebiet Walldorf-Süd 3 erfolgen wird. Nach vielen Jahren der Planung wird dieses wichtige Bauvorhaben nun endlich Realität. Wichtig ist, dieses Bauvorhaben auch langfristig finanziell abzusichern. Hierzu werden Gemeinderat und Verwaltung in diesem Jahr ein Konzept erarbeiten – wichtig und richtig. 

Dieses Pflegeheim ist ein bedeutender Schritt – aber es ist nicht die abschließende Antwort auf die demografische Entwicklung. Der Bedarf an Pflege- und Betreuungsangeboten wird weiter steigen. Deshalb müssen wir bereits heute weiterdenken.
Insbesondere Wohnformen zwischen Selbstständigkeit und stationärer Pflege gewinnen zunehmend an Bedeutung. Das Betreute Wohnen spielt hierbei eine zentrale Rolle. Auch wenn entsprechende Einheiten im neuen Pflegeheim vorgesehen sind, wird der Bedarf darüber hinausgehen. Aus unserer Sicht ist es notwendig, frühzeitig weitere Optionen zu prüfen und dem Gemeinderat konkrete Perspektiven aufzuzeigen. Eine Demenz-Wohngemeinschaft könnte hier ebenso eine sinnvolle Ergänzung sein.

Jede bauliche Planung steht und fällt mit den Menschen, die dort arbeiten. Der Fachkräftemangel ist auch in der Pflege Realität. Deshalb müssen wir parallel zur Umsetzung des Pflegeheims neue Wege in der Personalgewinnung und -ausbildung gehen. Unser herzlicher Dank gilt allen, die tagtäglich in der Pflege tätig sind – in unserem Astor-Stift sowie in ambulanten und sozialen Diensten. Ihre Arbeit ist körperlich und emotional anspruchsvoll und gesellschaftlich unverzichtbar. Ebenso danken wir den Angehörigen und Ehrenamtlichen, die Verantwortung übernehmen.

Unser Friedhof ist für viele Menschen – gerade für ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger – ein Ort der Erinnerung, der Ruhe und der Begegnung. Deshalb begrüßen wir die beschlossenen Planungen zur behutsamen Weiterentwicklung.
Besonders positiv finden wir die Einrichtung des neuen Bereichs für „Sternenkinder". Dieser Ort schenkt betroffenen Familien Würde, Trost und einen geschützten Raum der Erinnerung. Unser herzlicher Dank gilt der Trauergruppe für die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Gleichzeitig möchten wir daran erinnern, dass viele ältere Menschen in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Überdachte Sitz- und Aufenthaltsmöglichkeiten – sowohl im alten als auch im neuen Teil des Friedhofs – würden den Aufenthalt deutlich verbessern. Es ist gut, dass dies in den weiteren Planungen berücksichtigt wird.

3. Soziale Verantwortung und Ehrenamt
Walldorf ist eine soziale Stadt, das zeigt der Blick in die zahlreichen freiwilligen sozialen Angebote, die auch in 2026 weitergeführt werden. Für uns gilt: Soziale Unterstützung soll helfen, stärken und neue Chancen eröffnen.

Walldorf ist eine lebenswerte Stadt mit einer starken Gemeinschaft. Das haben wir vor allem den vielen ehrenamtlich Engagierten in Walldorf zu verdanken, die sich in den zahlreichen Vereinen, den Kirchen und Religionsgemeinschaften, in der Nachbarschaftshilfe, in kirchlichen Jugendgruppen, dem Begegnungshaus, beim Walldorfer Mittagstisch, der Tafel, der Kleiderstube, dem Verein Hilfe zur Selbsthilfe, dem Verein Generationenübergreifendes Wohnen und in Musik-, Kultur- und Sportvereinen engagieren. Wir danken Ihnen allen von Herzen für Ihre großartige Tätigkeit!

Das Ehrenamt ist für uns unverzichtbar und verdient unsere volle Unterstützung. Ehrenamt braucht Respekt, Unterstützung und verlässliche Rahmenbedingungen. Unsere Fraktion hat daher 2024 einen Ehrenamtskompass beantragt, der im vergangenen Jahr umgesetzt wurde und nun auf der Homepage der Stadt zu finden ist. Wir hoffen, dass der Kompass rege genutzt wird und zur weiteren Stärkung des Ehrenamts beiträgt.

4. Feuerwehr, Sicherheit und Gesundheitsversorgung
Ein besonderer Schwerpunkt liegt für uns auch 2026 im Bereich Sicherheit. Die Planungen für das neue Feuerwehrhaus, den DRK-Ortsverband und den Notarztstandort sowie die zusätzlich geschaffene Stelle im Katastrophenschutz sind richtige und notwendige Entscheidungen, die wir voll unterstützen. 

Unser besonderer Dank gilt allen Einsatzkräften in unserer Stadt – der Feuerwehr, dem Deutschen Roten Kreuz, der DLRG sowie der Polizei. Sie sorgen Tag für Tag, oft auch nachts, an Wochenenden und an Feiertagen für unsere Sicherheit und leisten dabei unverzichtbare Arbeit für unsere Stadtgemeinschaft. Besonders freuen wir uns, dass zur weiteren Stärkung der Professionalität ab 2027 mit Jurek Dudler ein hauptamtlicher Feuerwehrkommandant hinzukommen wird. 

An dieser Stelle möchten wir uns auch herzlich bei Alena Müller, der Fachbereichsleiterin Ordnung und Umwelt, und ihrem gesamten Team für die engagierte Arbeit bedanken! 

Zur Sicherheit gehört für uns auch eine gute und funktionierende Gesundheitsversorgung vor Ort. Viele Familien erleben heute bereits, wie schwierig es ist, eine kinderärztliche oder hausärztliche Versorgung vor Ort zu finden – und auch die Sicherung der fachärztlichen Angebote bleibt eine wichtige Aufgabe. Aus unserer Sicht muss die Stadt hier vorausschauend handeln, attraktive Rahmenbedingungen für Neuansiedlungen schaffen und bestehende Praxen gezielt unterstützen.

5. Stadtentwicklung, Wohnen, Wirtschaft und Infrastruktur
Walldorf wächst – und mit dem Wachstum steigen die Anforderungen an Infrastruktur, Wohnen und Lebensqualität. Für uns ist dabei entscheidend, dass neue Wohnprojekte ausgewogen geplant werden und dass Nachverdichtung immer mit Augenmaß erfolgt. An dieser Stelle danken wir dem Leiter der Wohnungswirtschaft, Herrn David Högerich, und seinem gesamten Team für die gute Arbeit in diesem Bereich. Der Bestand an städtischen Wohnungen für geförderten Wohnraum, Unterbringung von Geflüchteten sowie Wohnungen für Mitarbeitende wurde in den vergangenen Jahren stetig erweitert. Wir begrüßen es, dass die Stadt somit einen wichtigen Beitrag zu bezahlbarem Wohnraum in Walldorf leisten kann – auch wenn der Wohnraum weiterhin knapp und teuer ist und nicht allen Suchenden eine Wohnung angeboten werden kann. 

Bei neuen Bauprojekten gilt für uns, dass auch die Standards kritisch hinterfragt werden müssen. Nicht alles, was wünschenswert ist, muss im höchsten Standard umgesetzt werden. Die Kosten müssen tragbar und nachvollziehbar bleiben, schließlich handelt es sich um Steuergelder, mit denen hier geplant und gebaut wird. 

Beim Thema Innenstadtentwicklung hat uns im vergangenen Jahr vor allem die Sommerstraße beschäftigt. Die breite Beteiligung und die überwiegend positiven Rückmeldungen bestätigen, dass der Versuch richtig war – ein Weg, der auch auf einen Antrag unserer Fraktion zur Aufwertung der Hauptstraße zurückgeht, in dem wir unter anderem den Versuch einer Einbahnstraßenregelung angeregt hatten. Gleichzeitig nehmen wir die kritischen Stimmen sehr ernst. Für uns ist entscheidend, dass Anwohnerinnen und Anwohner sowie die Gewerbetreibenden weiterhin eng in die nächsten Schritte eingebunden werden, wenn es darum geht, welche Maßnahmen in eine dauerhafte Lösung übergehen können und wo noch nachgebessert werden muss. 

Für uns ist es wichtig, dass die Innenstadt für alle Generationen attraktiv ist. Dafür braucht es mehr und vor allem kindgerechte, abwechslungsreiche Spielmöglichkeiten für Kinder und Familien sowie bequeme Sitzmöglichkeiten, insbesondere für unsere Seniorinnen und Senioren.

Die Weiterentwicklung unserer Innenstadt liegt uns sehr am Herzen. Eine lebendige Innenstadt kann es nur gemeinsam mit den Gewerbetreibenden vor Ort und mit der gesamten Bürgerschaft geben. An dieser Stelle möchten wir unseren herzlichen Dank an den Gewerbeverein sowie an den neu gegründeten Stadtmarketingverein richten. Sie tragen mit ihren Aktivitäten wesentlich zur Belebung unserer Stadt bei, wofür wir sehr dankbar sind.

Eine prosperierende Stadt lebt von wirtschaftlicher Vielfalt und unternehmerischem Engagement. Nicht nur international tätige Unternehmen, sondern vor allem auch viele kleine und mittelständische Betriebe, Handwerksfirmen und inhabergeführte Geschäfte prägen seit Jahren das Gesicht Walldorfs. Sie schaffen Arbeits- und Ausbildungsplätze, sichern Gewerbesteuereinnahmen und leisten damit einen unverzichtbaren Beitrag zur Stabilität und Zukunftsfähigkeit unserer Stadt. Die enge und konstruktive Zusammenarbeit mit der städtischen Wirtschaftsförderung ist dabei ein wichtiger Erfolgsfaktor, den wir ausdrücklich würdigen möchten. Wir danken an dieser Stelle Frau Susanne Nisius und ihrem Team sowie dem neu gegründeten Stadtmarketingverein für die engagierte Arbeit! 

Wir freuen uns im Bereich der Stadtentwicklung, dass der Kreis der Übernahme der innerstädtischen Kreisstraße zugestimmt hat. Wie gefährlich das Rasen auf dieser Straße ist, hat zuletzt der Unfall in der Nußlocher Straße Ende des Jahres gezeigt, bei dem glücklicherweise niemand schwer verletzt wurde. Nun liegt es an uns, diese Straße häufiger zu kontrollieren und so zu gestalten, dass das Rasen wirksam unterbunden wird und es zu einer Verkehrsberuhigung – insbesondere im Sinne der Anwohnerinnen und Anwohner – kommt.

Zum Bereich Infrastruktur zählt für uns auch eine deutlich bessere Mobilfunkversorgung – sie ist längst überfällig. Für einen Wirtschaftsstandort wie Walldorf sind schnelle Datenverbindungen und stabile Erreichbarkeit keine Komfortfrage mehr, sondern grundlegende Infrastruktur. Wir hoffen sehr, dass die angekündigten Maßnahmen in diesem Jahr endlich umgesetzt werden und sich die Mobilfunkabdeckung im gesamten Stadtgebiet spürbar verbessert.

Ebenso braucht eine moderne Stadt eine moderne Verwaltung. Digitalisierung ist kein Luxus, sondern Voraussetzung für Effizienz, Transparenz und Bürgerfreundlichkeit. Die Stadt muss ihre Online-Services kontinuierlich verbessern und auch innerhalb der Verwaltung die Digitalisierung konsequent voranbringen. Das spart langfristig Geld, Zeit und Nerven – für Bürgerinnen und Bürger ebenso wie für die Verwaltung.

6. Klima, Energie, Verkehr und Nachhaltigkeit 
Klimaschutz ist eine wichtige kommunale Aufgabe. Dafür brauchen wir energieeffiziente Gebäude, intelligente Steuerungssysteme und zugleich wirtschaftlich tragfähige Lösungen.

Die umfangreichen städtischen Umweltförderprogramme, allen voran das Photovoltaik-Förderprogramm, schaffen Anreize und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz. In diesem Jahr sollen die Förderprogramme überarbeitet und übersichtlicher gestaltet werden, um sie einfacher, transparenter und bürokratieärmer zu machen. Wir freuen uns auf diesen Prozess und werden ihn konstruktiv begleiten.

Auch die kommunale Wärmeplanung gilt es in diesem Jahr weiter zu konkretisieren, um Planungssicherheit zu schaffen.
Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass es nicht für jeden Haushalt finanziell möglich ist, Gebäude klimafreundlich zu sanieren. Bauen, Umbauen und Sanieren sind trotz Förderprogrammen sehr teuer. Soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Beim Thema Klimawandel müssen wir auch einen Blick auf unsere städtischen Einrichtungen und Schulen werfen: Die zunehmenden Hitzewellen haben deutlich gemacht, dass die Raumtemperaturen teilweise unzumutbare Ausmaße annehmen. Im vergangenen Jahr haben wir daher einen Antrag zur Grundsatzdebatte über die Klimatisierung städtischer Gebäude eingebracht. Für uns ist klar: Hier geht es nicht um Komfort, sondern um Gesundheits- und Arbeitsschutz. Mit unserem Antrag haben wir angestoßen, dass die Stadt nun systematisch erfasst, in welchen Gebäuden die größten Hitzeprobleme bestehen, welche Maßnahmen bereits umgesetzt wurden und wo weiterer Handlungsbedarf besteht. Es sollten zunächst alle naheliegenden Möglichkeiten wie Verschattung, Lüftung, Nachtkühlung oder organisatorische Lösungen ausgeschöpft werden. Wo diese jedoch nicht ausreichen, darf auch der Einsatz technischer Lösungen wie Klimageräte kein Tabu sein – selbstverständlich unter Berücksichtigung von Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Die Priorität muss klar auf den sogenannten „Hitzebrennpunkten“ liegen: Schlafräume in Kitas, Gruppenräume, Klassenzimmer und Bewohnerzimmer im Pflegeheim. Dieses Thema muss in diesem Jahr entschlossen angegangen werden. 

Auch mit unserem Antrag zur Umgestaltung der Neuen Sozialen Mitte, den wir gemeinsam mit der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen eingebracht haben, wollen wir der Hitzeproblematik entgegenwirken. Die Neue Soziale Mitte braucht mehr "Grün", eine Entsiegelung von Flächen und mehr große, schattenspendende Bäume und sollte insgesamt attraktiver gestaltet werden, damit sie ihrem Namen „Soziale Mitte“ gerecht wird. Außerdem stellen wir uns ein Nutzungskonzept vor, beispielsweise regelmäßige Veranstaltungen wie Flohmärkte, ein Nachmittags- oder Abendmarkt oder Konzerte könnten diesen Platz beleben und für alle Generationen attraktiver werden.

Besonders an unserem Wald zeigt sich, wie groß die Auswirkungen des Klimawandels auch vor Ort sind. Unsere Wälder müssen robuster und widerstandsfähiger werden. Dafür brauchen wir eine gezielte Aufforstung mit artenreichen, klimaresilienten Mischwäldern sowie eine aktive, verantwortungsvolle Bewirtschaftung. Unser Dank gilt unserem Förster Herrn Achim Freund und seinem Team sowie unserer Waldpädagogin Sabrina Ehnert für die wichtige Arbeit in unserem Walldorfer Wald.

Wenn wir über Nachhaltigkeit sprechen, müssen wir auch unseren Rad- und Fußverkehr sowie den ÖPNV und die gesamte Mobilität in Walldorf in den Blick nehmen. Der Individualverkehr ist nach wie vor in Walldorf sehr stark vertreten. Mit dem Fußverkehrscheck und dem beschlossenen Radverkehrskonzept wurden in den vergangenen Jahren wichtige Grundlagen für eine fahrrad- und fußgängerfreundliche Stadt gelegt. Nun kommt es darauf an, diese Konzepte Schritt für Schritt umzusetzen. Wir bleiben dran.

7. 125 Jahre Stadtrechte – Vergangenheit würdigen, Zukunft gestalten
Das Jubiläum „125 Jahre Stadtrechte“ ist für uns mehr als ein Festjahr. Es ist eine Gelegenheit, auf unsere Geschichte zu blicken und zugleich über unsere Zukunft nachzudenken. Und es ist ebenso eine wunderbare Gelegenheit, gemeinschaftliches Engagement und unser gesellschaftliches Miteinander in Walldorf zu stärken. 

Walldorf hat sich in diesen 125 Jahren beeindruckend entwickelt. Diese Entwicklung verpflichtet uns, verantwortungsvoll weiterzudenken – für die nächsten Generationen.

8. Schlusswort
Ein Haushalt ist mehr als Zahlenwerk – er ist Ausdruck unserer Prioritäten, unserer politischen Haltung und unserer Verantwortung gegenüber den Menschen in Walldorf. 

Unabdingbar für unsere kommunalpolitische Arbeit ist für meine Fraktion vor allem der enge Austausch mit Ihnen, liebe Walldorferinnen und Walldorfer. Daher werden wir auch in diesem Jahr unsere monatlichen, offenen Fraktionsrunden fortführen, um Ihre Anregungen, Ihre Kritik und Ihre Fragen aufzunehmen und in unsere Gremienarbeit einzubringen.

Zum Schluss danken wir der Kämmerei, insbesondere Kämmerer Boris Maier und seinem gesamten Team, für die sorgfältige und transparente Ausarbeitung des Haushaltsplans. Ebenso danken wir für den Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs Wohnungswirtschaft, dem wir – wie auch dem Haushalt – zustimmen werden. Unser Dank gilt außerdem Herrn Bürgermeister Renschler sowie Herrn Ersten Beigeordneten Otto Steinmann für die gute und konstruktive Zusammenarbeit.

Nicht zuletzt danken wir allen Walldorferinnen und Walldorfern, die unsere Arbeit im Gemeinderat aufmerksam begleiten, kritisch hinterfragen und mit ihren Anregungen bereichern. Dieses Engagement ist ein lebendiger Ausdruck unserer kommunalen Demokratie – und wertvoller denn je. Bleiben Sie so aktiv und gestalten Sie weiter mit, denn nur so kann unser Walldorf so lebenswert bleiben, wie wir es alle kennen und lieben. 
Vielen Dank.

Paula Glogowski, FDP-Fraktion