29.07.2026, Startseite

An den Schülern wird nicht gespart

Auf dem Parkplatz neben der Sporthalle entsteht zum Schuljahr 2027/28 ein Interimsgebäude in Modulbauweise. Archivfoto: Stadt Walldorf

Gemeinderat beschließt hochwertige Ausführung des Interimsgebäudes

Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung eine einstimmige Entscheidung über die Planvariante für das Interimsgebäude am Schulzentrum getroffen: Die beschlossene Variante A sieht einen hochwertigen Interimsbau aus Sonder-Modulen vor, der für eine längere Nutzungsdauer von etwa sechs bis acht Jahren geeignet ist und später auch an einem anderen Standort weiterverwendet werden kann. Die Anlage soll deshalb nicht als einfache kurzfristige Containerlösung, sondern in einer dauerhafteren und qualitativ besseren Bauweise ausgeführt werden. Dafür rechnet das Stadtbauamt aktuell mit Kosten in Höhe von rund 6,8 Millionen Euro. Für die Ausstattung der Räume werden weitere rund 100.000 Euro benötigt. Standort wird der Parkplatz neben der Sporthalle sein.

„Wir stehen vor einer brandschutztechnischen Sanierungsmaßnahme“, sagte Stadtbaumeister Andreas Tisch zu der im Hauptgebäude des Schulzehntrums notwendigen größeren baulichen Sanierung, die in mehreren Abschnitten vorgenommen wird. Für die Deckensanierung müssen die betroffenen Bereiche vorübergehend geräumt werden. Deshalb braucht das Schulzentrum Ersatz in Form von Interims-Klassenzimmern. Außerdem hat das Gymnasium durch die Wiedereinführung von G9 einen erhöhten Raumbedarf. Die Containeranlage soll bis zur aktuell als notwendig erachteten Errichtung eines Ergänzungsbaus genutzt werden.

Geplant ist ein dreigeschossiges Gebäude mit insgesamt zwölf Klassenräumen, die jeweils die Mindestgröße von 68 Quadratmetern und eine Raumhöhe von 2,75 Metern erreichen, sodass die Anforderungen an gute Unterrichtsräume erfüllt werden. Das kompakte Gebäude wird daneben auch Sanitärbereiche, Technikräume, einen zentralen Eingangsbereich, Treppenhäuser und einen Aufzug enthalten. Zusätzlich sind auf der Südseite Aufenthaltsbereiche als Erweiterung der Flure vorgesehen, sodass die Schülerinnen und Schüler sich auch außerhalb der Klassenzimmer auf dem jeweiligen Geschoss aufhalten können. Durch die insgesamt hochwertigere Ausführung als bei Standardcontainern entstehen zwar höhere Anschaffungskosten, zugleich werden aber niedrigere Unterhaltskosten, ein geringerer Wertverlust und bessere Möglichkeiten der späteren Nachnutzung oder eines eventuellen Verkaufs der Anlage erwartet. Günstigere Containerlösungen hätten neben weniger Komfort vor allem eine geringere Nutzungsdauer bedeutet.

Technisch ist eine autonome Wärme- und Kälteversorgung über Wärmepumpen vorgesehen, bewusst ohne Anbindung an das bestehende Blockheizkraftwerk. Über eine Wärmepumpe plus sogenannte Deckenkassetten soll neben dem Heizen auch eine moderate Kühlung der Klassenräume möglich sein, um sommerliche Überhitzung zu vermeiden. Belüftet werden die Räume über die Fenster sowie zur Unterstützung über mechanische Fassadenlüftungsgeräte. Und auch beim sommerlichen Wärmeschutz und der Raumakustik wird ein vergleichsweise hoher Standard angesetzt: mit außenliegendem Sonnenschutz und akustisch dämpfenden Decken- und Wandflächen.

Christian Winnes betonte für die CDU, es sei „richtig, bei den Interimsräumen nicht ausschließlich auf die günstigste Lösung zu setzen“. Der Anspruch müsse sein, „dass die Kinder und Jugendlichen auch während der Sanierungsphase gute Bedingungen zum Lernen vorfinden“. Flexibilität wünsche sich seine Fraktion allerdings in der Frage, ob die Anlage in einigen Jahren tatsächlich durch einen Neubau ersetzt werden muss. Dafür müsse man in drei oder vier Jahren die Entwicklung der Schülerzahlen überprüfen.

„Ja, das ist notwendig“, erklärte Dr. Andrea Schröder-Ritzrau für die SPD. Da man das Modul-Gebäude sechs bis acht Jahre lang nutzen und anschließend an anderer Stelle einsetzen oder verkaufen werde, dürfe man „nicht am falschen Ende sparen“, sprach auch sie sich für die hochwertige Variante und gegen „08/15-Container“ aus. Denn es gehe nicht ausschließlich um die Kosten, sondern vor allem „um gute Lehr- und Lernbedingungen“.

„Die Kosten sind ohne Frage hoch“, sagte Paula Glogowski (FDP), mögliche Einsparungen seien aber „mit deutlichen Einbußen“ verbunden, so bei der Barrierefreiheit oder der Nutzungsdauer. Man brauche „keinen Schnickschnack“, aber ein „solides, funktionales Gebäude“. Auch der Hitzeschutz sei eine Voraussetzung für gutes Lernen, ebenso die Aufenthaltsbereiche. „Wir schaffen gute Bedingungen“, zeigte sie sich überzeugt.

„Walldorf ist für seine Bildungsqualität bekannt“, meinte Moritz Winnes (Bündnis 90/Die Grünen), diese Qualität brauchten auch die Container. Die sehe er in Variante A unter anderem mit „einer längeren Lebensdauer“ und einem höheren Wiederverkaufswert oder der Kühlwirkung durch die Deckenkassetten. „Ein Aufzug erleichtert vieles“, sei auch hier das Einsparpotenzial mit nur 50.000 Euro nicht sonderlich groß.

„Gute Schulen brauchen gute Räume“, sagte Mihriban Gönenç (Zusammen für Walldorf). Man werde die Anlage „voraussichtlich viele Jahre“ nutzen und müsse sie als „vollwertigen Lernort“ betrachten. So sei beispielsweise die vorgesehene Kühlung der Räume „kein Luxus, sondern die Voraussetzung für konzentriertes Lernen“.