04.11.2026, Startseite

Das erste Cluster ist bald abgeschlossen

Dachständer sind Freileitungsmasten auf Gebäuden, die als Einspeisepunkt für die Stromversorgung dienen. Im modernen Stromnetz werden die oberirdischen Freileitungen durch Erdkabel ersetzt, die Dachständer sollen sukzessive zurückgebaut werden. Foto: Stadt Walldorf

Stadtwerke Walldorf informieren im Ausschuss über den Dachständerrückbau

Der Dachständerrückbau und damit der Umbau des Walldorfer Stromnetzes kommen voran: In sechs der insgesamt 15 Cluster, in die das Stadtgebiet für das Langzeit-Projekt eingeteilt wurde, sind bislang Arbeiten erfolgt oder angelaufen. Darüber informierten Stadtwerke-Geschäftsführerin Isabelle John und Projektleiter Hans-Peter Braehms in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Technik, Umwelt, Planung und Verkehr. Mit dem seit 2022 laufenden Dachständerrückbau ersetzen die Stadtwerke Walldorf die Freileitungen über den Hausdächern durch zukunftssichere Erdkabel und verstärken zusätzlich das Stromnetz. „Dabei ist der Dachständerrückbau der letzte Schritt“, sagte Isabelle John. Zunächst erfolge die Erdverkabelung, dem schließe sich der sogenannte Innenumschluss in den Häusern an. Erst danach können die Dachständer entfernt werden.

Mit den Arbeiten im Cluster 1 im nordwestlichen Bereich der Stadt (rund um Zähringer-/Albert-Schweitzer-Straße) war im dritten Quartal 2022 begonnen worden. Es folgte Cluster 12 im Osten (unter anderem Neue Heimat/Tränkstraße). Aktuell laufen Arbeiten in den Clustern 2 (Banatstraße/Im Fischgrund) und 4 (Amselweg/Heidelberger Straße). „Es gibt auch Maßnahmen, die vorgezogen werden“, machte Isabelle John deutlich, dass man, wenn möglich, Synergien nutzen möchte – wenn ohnehin Straßenerneuerungen anstehen oder andere Leitungsträger Arbeiten planen. Dadurch vermeide man, mehrfach in den Straßen arbeiten zu müssen, es gebe weniger Behinderungen für die Anwohner und die Kosten würden optimiert. So wurden beispielsweise in der Rheinstraße, der St. Ilgener Straße und im Amselweg Arbeiten vorgezogen, um notwendige Netzsanierungen mit anderen Baumaßnahmen zu verbinden.

Entscheidend für den späteren Abbau der Dachständer sind die sogenannten Innenumschlüsse: Eigentümer müssen ihre bisher vom Dach aus versorgte Elektroinstallation an den neuen Hausanschluss im Keller anbinden lassen. Erst wenn alle betroffenen Gebäude eines Stromkreises umgestellt sind, können die Freileitungen verschwinden. Während die Stadtwerke die Kosten für die Erdverkabelung, die Hausanschlüsse und späteren Rückbau der Dachständer tragen, muss dieser Innenumschluss von den jeweiligen Eigentümern selbst bezahlt werden, weil die Leitungen, Zählerschränke und Sicherungskästen hinter der Eigentumsgrenze, also auf der privaten Seite des Netzanschlusses, liegen. Um die Kosten für die Eigentümer abzufedern, haben die Stadtwerke ein Förderprogramm aufgelegt: Gefördert werden alle anrechenbaren Kosten mit 25 Prozent, gedeckelt bei aktuell 515 Euro je Innenumschluss. Diese Förderung muss nicht beantragt werden, die Rechnungen können antragslos auf der Homepage der Stadtwerke hochgeladen werden.

Isabelle John sieht in Cluster 1 „eine sehr gute Umschlussquote“ erreicht: Sie liegt mit aktuell 93 von 98 Hausanschlüssen bei 95 Prozent.  Bis Dezember sollen die restlichen Innenumschlüsse erledigt sein, der Rückbau der Dachständer in diesem Gebiet ist bis Juni 2027 geplant. In Cluster 12 liegt man mit bislang elf erfolgten Innenumschlüssen (von 153) zwar erst bei etwa sieben Prozent, „wir werden aber dran bleiben“, so die Stadtwerke-Geschäftsführerin. Grundsätzlich gewähre man allen Eigentümern eine Frist von 18 Monaten.

Für die Förderung der privaten Umbauten liegen bislang laut den Stadtwerken insgesamt 92 Anträge vor: 71 aus Cluster 1 und 21 aus Cluster 12. Dabei schwanken die Umbaukosten der Eigentümer stark: Zwischen vergleichsweise niedrigen rund 200 Euro und der in der Sitzungsvorlage aufgeführten Maximalsumme von mehr als 33.000 Euro, die im Ausschuss für Irritationen sorgte – wie sich allerdings herausstellte, waren hier auch nicht förderfähige Kosten für weitere Maßnahmen mit enthalten. Den Hinweis, solche Kosten künftig herauszurechnen, um den Gemeinderäten ein besseres Bild der Relation von privaten Kosten und Zuschüssen zu geben, wollen die Stadtwerke mitnehmen.

„Die Rückmeldungen der Anwohner sind bisher überwiegend positiv“, sagte Isabelle John. Alle Probleme, die bislang aufgetreten seien, hätten sich als lösbar erwiesen. Fortführen will man die Öffentlichkeitsarbeit mit Informationsveranstaltungen im Rathaus zum Start der weiteren Cluster sowie über die Homepage www.wir-schliessen-uns-an.de, die neben allen Infos auch einen erklärenden Film zum Thema bietet.

Insgesamt umfasst das Vorhaben 1945 neue Elektro-Hausanschlüsse und rund 34 Kilometer Kabeltrasse. Die Stadtwerke veranschlagen dafür Kosten in Höhe von etwa 50 Millionen Euro. Hinzu kommen geschätzte 14,4 Millionen Euro städtischer Aufwand für begleitende Straßenarbeiten und die Straßenbeleuchtung.