25.07.2026, Startseite

„Eine Stadt lebt von den Menschen, die sie tragen“

Bürgermeister Matthias Renschler hält die Festrede zum Auftakt des großen Jubiläumswochenendes zur Feier von 125 Jahren Stadtrechte. Foto: Helmut Pfeifer

Stimmungsvoller Festakt zum Jubiläum „125 Jahre Stadtrechte“

„125 Jahre Stadtrechte Walldorf – das ist ein Grund zum Feiern. Und es ist ein guter Grund, mit Zuversicht nach vorn zu schauen. Herzlichen Glückwunsch, Walldorf“, schließt Bürgermeister Matthias Renschler seine Rede beim Festakt in der Astoria-Halle zum Jubiläum „125 Jahre Stadtrechte“. Die geladenen Gäste – darunter die Delegationen aus den Partnerstädten, Landrat Manuel Just, zahlreiche Bürgermeister aus der Region, Gemeinderätinnen und Gemeinderäte – erleben einen sehr unterhaltsamen Abend: mit klassischer Musik vom Ensemble Operino, einem Auftritt der Theatergruppe des Gymnasiums sowie Beiträgen der Stadtkapelle und der Tanzschule Kronenberger. Originell und humorvoll moderiert wird der Abend vom städtischen Musikbeauftragten Dr. Timo Jouko Herrmann und dem Schriftsteller Markus Imbsweiler, der sich als Besucher aus Heidelberg von Herrmann erklären lässt, warum Walldorf sich die Stadtrechte wahrlich verdient hat.

Der Bürgermeister spricht von einem Jubiläum, „das die ganze Stadt betrifft und auch aufs Umland ausstrahlt“. Deshalb werde nach dem Festakt am Freitagabend auch am Samstag und Sonntag mit der ganzen Bevölkerung und allen Interessierten aus nah und fern weiter gefeiert: auf dem Gelände des Schulzentrums mit Live-Musik, Aufführungen der Vereine, einem Foodtruck-Festival und dem abschließenden Lichtspektakel sowie am Samstag im AQWA mit einer Beach-Party für Teenager und in der Astoria-Halle mit der SWR 3-Party. „Ein großes und ein rundes Programm zu einem schönen Jubiläum“, macht Matthias Renschler Lust darauf, das Wochenende über gemeinsam zu feiern.

Dann blickt der Bürgermeister in die Vergangenheit, 125 Jahre zurück. Dass Walldorf 1901 zur Stadt erhoben wurde, sei nicht einfach nur ein Verwaltungsakt mit Siegel und Unterschrift gewesen. „Es war ein Versprechen. Ein Versprechen an die Zukunft. Ein Ausdruck des Vertrauens in die Kraft, in den Ehrgeiz und in die Entwicklungsmöglichkeiten dieses Ortes“, so Renschler. Und: „Wenn wir heute, im Jahr 2026, auf diese 125 Jahre schauen, dann dürfen wir mit Fug und Recht sagen: Dieses Vertrauen war berechtigt.“ Im Antrag spüre man den Stolz und das Selbstbewusstsein der damaligen Gemeindeväter, die in der Stadterhebung bessere Chancen für die Entwicklung und Zukunft des Gemeinwesens gesehen hätten. „Das ist ein sehr moderner Gedanke“, findet der Bürgermeister. Walldorf sei damals die größte Gemeinde des Amtsbezirks Wiesloch gewesen, zwar noch landwirtschaftlich geprägt, aber es habe regen Handel gegeben und schon viele fortschrittliche Einrichtungen – vom Postamt mit Telegraf und Telefon bis hin zur 1902 in Betrieb genommenen Straßenbahn. „Walldorf war nicht nur fleißig, sondern auch realistisch“, meint Renschler zur frühen Einsicht, dass wirtschaftlicher Erfolg keine Selbstverständlichkeit sei. „Eine Eigenschaft, die einer Stadt bis heute nicht schadet.“

Zum Schmunzeln ist die Geschichte, dass nach den Feierlichkeiten die Stadtkasse leer gewesen ist und ein Darlehen über 4000 Mark aufgenommen musste. Schön bleibt die Antwort von Großherzog Friedrich I. auf das Walldorfer Danktelegramm, der „herzliche Wünschen für das fernere Wohlergehen der Stadtgemeinde“ übermittelte. „Der Wunsch trägt die Stadt noch heute“, sagt Matthias Renschler. „Walldorf ist diesen Weg des Wohlergehens nicht zufällig gegangen. Die Stadt hat sich immer wieder verändert, erneuert und weiterentwickelt.“ Zu einer Stadt mit „wirtschaftlicher Dynamik, Innovationskraft und einer beachtlichen Ausstrahlung weit über die Region hinaus“, so der Bürgermeister. Geblieben – und das sei die Verbindung zwischen 1901 und 2026 – sei „der Wille, Zukunft nicht nur zu erwarten, sondern zu gestalten“.

„Eine Stadt lebt von den Menschen, die sie tragen“, sagt Matthias Renschler. Deshalb seien 125 Jahre Stadtrechte nicht nur ein historisches Jubiläum, sondern vor allem auch ein Dankeschön. „Ein Dankeschön an alle Generationen vor uns, die diese Stadt aufgebaut, erhalten und weiterentwickelt haben“, und an alle, „die im Großen wie im Kleinen dazu beigetragen haben, dass Walldorf zu dem geworden ist, was es heute ist“. Als Wunsch für die Zukunft bleibe das schon vom Großherzog formulierte „Wohlergehen“ – oder ausführlicher: „eine starke und nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung, ein gutes Miteinander, Lebensqualität für Jung und Alt, verantwortungsvoller Umgang mit Natur, Raum und Ressourcen, kluge Entscheidungen für Mobilität, Bildung, Energie und Zusammenhalt, und die Fähigkeit, bei allem Wandel menschlich zu bleiben.“ Eine moderne Stadt müsse nicht nur effizient, sondern vor allem lebenswert sein. „Das ist Walldorf. Deshalb bin ich stolz, hier Bürgermeister sein zu dürfen“, schließt Renschler seine Festrede und lädt nochmals ein, gemeinsam zu feiern.

Das unterhaltsame Programm des Festakts eröffnet das Ensemble Operino unter der Leitung von Dr. Timo Jouko Herrmann mit einem musikalischen Werk von Johann Melchior Molter aus der Zeit der Stadterhebung. Die von Jonas Rehm geleitete Theatergruppe des Gymnasiums spielt, an Shakespeare’sche Stücke angelehnt, pfiffig und lustig die Verleihung der Stadtrechte nach. Die Stadtkapelle mit dem Badnerlied und die Tanzschule Kronenberger mit einem Wiener Walzer haben zum Finale des Stücks ihre ersten Auftritte, später folgen Ausschnitte aus dem Showtanz „Legenden“ und zum musikalischen Abschluss des Festakts Andreas Bouranis „Auf uns“.

Im geselligen Teil des Abends gibt es von den Gästen viel Lob für den kurzweiligen und stimmungsvollen Festakt und, bewirtet vom Partyservice Pütz, jede Menge Gelegenheit zum Austausch über Länder- und Städtegrenzen hinweg – mit Gesprächen zwischen Saint-Max und Astoria, Walldorf/Werra und Freeport, Bad Neuenahr-Ahrweiler und natürlich Walldorf selbst.

Das Programm am Jubiläumswochenende