29.07.2026, Startseite
Lichtspektakel lässt Walldorf am Nachthimmel glänzen
Das Lichtspektakel am Sonntagabend war der stimmungsvolle Abschluss und Höhepunkt des Festwochenendes. Foto: Helmut Pfeifer
Festwochenende bietet am Sonntag zahlreiche Höhepunkte
Als sich am Ende der Vorstellung der leuchtende Vorhang aus 200 Drohnen gen Boden neigte, war der Jubel auf dem Schulgelände grenzenlos. Hunderte Gäste hatten von dort aus das Lichtspektakel verfolgt, das den Nachthimmel mit einer Hommage an das Jubiläum „125 Jahre Stadtrechte“ erleuchtete. Ein würdiger Schlusspunkt für ein insgesamt rundum gelungenes und hervorragend organisiertes Festwochenende. Dieses hatte bereits am Samstag mit einem abwechslungsreichen Programm der Vereine sowie exzellenter Live-Musik begeistert. Am Sonntag wurde das Programm auf dem Festgelände im Schulzentrum fortgesetzt.
Den Auftakt machte ein ökumenischer Gottesdienst, den der evangelische Posaunenchor musikalisch umrahmte: „Unsere Stadt zeigt sich als Gemeinwesen“, freute sich Pfarrer Dr. Uwe Boch in seinen Gedanken zum Tage. „Das Leben der Vielfalt ist wichtig.“ Auch Nachdenkliches durfte mit Blick auf den Anschlag am Vorabend in Berlin nicht fehlen: „Wir hoffen darauf und arbeiten daran, den Frieden und das Glück in den Mauern unserer Stadt zu erhalten.“ Dr. Klemens Gramlich ergänzte in seiner Predigt: „Wenn es der Stadt gut geht, geht es ihren Bewohnern gut.“ Und damit meine er ausdrücklich nicht das Finanzielle, so Gramlich, der John F. Kennedy zitierte: „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst.“ Beide Geistliche bemühten sich, die Gäste der Stadt aus den USA und Frankreich sprachlich in den Gottesdienst einzubeziehen
Danach gab Moderator Armin Rößler zunächst einen kurzen Überblick über das Begleitprogramm des Tages, ehe er mit den Worten „Jetzt wird getanzt“ viel Vergnügen beim Auftritt der Restless Boots wünschte. Die machten ihrem Namen alle Ehre und tanzten in Formation zur Countrymusik, die den passenden Rahmen für ihre tänzerische Erzählung bot. Die obligatorischen Cowboyhüte auf den Köpfen der Tänzerinnen und Tänzer durften natürlich nicht fehlen. Durch Händeklatschen und Stampfen mit den Boots auf den Boden wurde der Rhythmus der Musik zusätzlich betont – und das kam beim Publikum gut an, das gerne mitklatschte. Zum Abschluss gab es für den kurzweiligen Auftritt tosenden Applaus und begeisterte Jubelrufe.
Musikalisch ging es anschließend mit den Gospel Singers unter der Leitung von Bernhard Gröne weiter. Mit Songs wie „Count on me“ von Bruno Mars begeisterten sie ihr Publikum. Wer Mundart liebt, war beim Auftritt von Kurpfalz Sound genau richtig. Die Chorgruppe präsentierte kurpfälzische Lieder wie den „Altstadtboogy“ und zeigte, dass Dialekt und Musik gut zusammenpassen.
Sportlich wurde es beim Auftritt des Budo Clubs Samurai Astoria. Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren präsentierten Übungen aus den aktuellen Judo-Prüfungen. „Alle müssen das Fallen können“, erläuterte Trainer Herbert Götzmann die erste Showeinlage.
Anschließend heizte die Storchengarde dem Publikum mit ihrer Tanzperformance unter dem Motto „Too Hot to Handle“ ordentlich ein – inklusive feuerrotem Kopfschmuck. Auch die Storchenküken standen den Großen in nichts nach und begeisterten in ihren Pippi-Langstrumpf-Outfits.
Mit Standby Mode stand eine weitere Jugendband auf der Bühne – am Samstag hatten bereits die Bouncing Sheep gespielt. Die drei jungen Musiker spielten die ganz großen Klassiker der Rockgeschichte. Ob „The Final Countdown“ von Europe, „Don't Stop Me Now“ von Queen oder „Sweet Child O' Mine“ von Guns N’ Roses: Manch einer rieb sich im Publikum verwundert die Augen, was die drei Jungs im Alter von zwölf bis 14 Jahren auf die Bühne brachten. Dafür gab es nicht nur viel Applaus, sondern auch lautstarke „Zugabe“-Rufe, die mit Michael Jacksons „Beat It“ erfüllt wurden.
Abseits der Bühne wurde ebenfalls einiges geboten. Vor allem Familien kamen dabei auf ihre Kosten. Das Familienzentrum hatte verschiedene Spielstationen für Kinder eingerichtet. Für die Jüngsten gab es einen Bobby-Car-Parcours, bei Wurfspielen und Jonglage konnte die Geschicklichkeit erprobt werden. Besonders gut kam das Zielschießen mit Pfeil und Bogen an. In Kooperation mit dem Familienzentrum war auch der Kinderschutzbund vertreten, der eine Postkarten-Mitmachaktion anbot. Dabei konnten die Teilnehmer ihre Gedanken zum Thema „Kinderarmut“ aufschreiben. Die Karten sollen Ende November auf dem Platz der Kinderrechte in Wiesloch ausgestellt werden, wie Lisa Würmell informierte.
Die Kinder- und Jugendkunstschule hatte drei Stationen eingerichtet, die einen Bezug zum Jubiläum herstellten. „Wildes Walldorfer Wesen“ lud dazu ein, mit Tinte Kleckse auf ein Blatt Papier zu bringen. Stempel und Wachssiegel machten das „Klecksemonster“ anschließend offiziell. Der „Zukunftsvertrag“ bot die Möglichkeit, Wünsche, Forderungen oder Visionen für die Zukunft Walldorfs zu formulieren. Mit den „Briefen des guten Gelingens“ konnten Besucher eine Nachricht an die Stadt schreiben oder ein Bild aus der Sicht eines zukünftigen Stadtbewohners zeichnen. Zum Schreiben und Malen lagen Schreib- und Zeichenfedern sowie Tinte bereit, die aus natürlichen Materialien hergestellt worden war. Die Ergebnisse der drei Stationen sollen laut Kikusch-Leiterin Elisabeth Kamps bei der Jahresausstellung präsentiert werden.
„Wir stoßen auf Walldorf an“, sagte Sängerin Enya Boban an einer Stelle ihres Auftritts, den sie gemeinsam mit Gitarrist Daniel bestritt. Das gehe auch mit Wasser, fand sie, und so reckten sich zahlreiche Gläser in die Höhe, um der Künstlerin zuzuprosten. Sie begeisterte das Publikum mit ihrer gefühlvollen Stimme und modernen Pop-Sounds. Überregional bekannt wurde die Sängerin unter anderem durch den Remix des Songs „Ausmacht“, den sie gemeinsam mit Emilio und Pantha veröffentlichte. Mit ihrer authentischen Bühnenpräsenz und emotionalen Performance sorgte sie auch in Walldorf für einen stimmungsvollen Auftritt. Sie präsentierte gefühlvolle, selbstreflektierte und melancholische Songs und sang unter anderem über Liebesgeschichten, die sie inzwischen bereue, sowie über gebrochene Herzen. Schade war, dass sie mit technischen Problemen zu kämpfen hatte: Der Strom fiel während ihres Auftritts gleich viermal aus. Die Sängerin ging professionell damit um, wartete geduldig, bis die Technik wieder funktionierte, und erhielt dafür viel Zuspruch vom Publikum. Nach der vierten Unterbrechung setzte sich Enya Boban schließlich einfach an den Bühnenrand und sang ganz ohne technische Unterstützung weiter – was ihr am Ende viel Applaus einbrachte.
Den erhielt auch der Zirkus Payaso, der neben der Bühne eine beeindruckende Piraten-Akrobatik-Show zeigte. Dafür wurden zuvor große Matten ausgerollt, die die spektakulären Sprungeinlagen abfederten. Und davon bekamen die Besucher reichlich zu sehen. Die Akrobaten wirbelten durch die Luft, bildeten menschliche Pyramiden und boten mitreißende Tanzeinlagen. Das Publikum zeigte sich restlos begeistert und bekam obendrein die lautstark geforderte Zugabe serviert.
Einen weiteren musikalischen Fußabdruck hinterließen What a Band. Die vielköpfige Gruppe um Bandleader Nyng Kothe, die in den unterschiedlichsten personellen Zusammensetzungen bei den Mittwochs-Sessions des Kulturfördervereins Kurpfalz im Billardclub in Rot zu hören ist, zeigte mit Songs wie beispielsweise „Radar Love“ von Golden Earring, wie viele erstklassige Musiker die Region zu bieten hat.
Der musikalische Höhepunkt am Sonntag war der Auftritt von Me and the Heat. Die Formation um Mike Frank und Christin Kieu brachte die Stimmung von Beginn an zum Kochen. Zunächst bat der Sänger die Besucher, die sich mit einigem Abstand zur Bühne aufgereiht hatten, durch die „unsichtbare Tür“ doch näher heranzukommen. Schon nach kurzer Zeit war der Bereich vor der Bühne gut gefüllt und die Party konnte richtig losgehen. Mit Hits wie „Return of the Mack“ von Mark Morrison, „You Can Call Me Al“ von Paul Simon oder „The Lion Sleeps Tonight“ von The Tokens spielte sich die Band durch zahlreiche Klassiker – stets verpackt in den typischen Me-and-the-Heat-Sound. Den erhielt auch der Song „Roller“ von Apache 207 – ein Zeichen dafür, dass die Musiker trotz ihrer 40-jährigen Bandgeschichte am Puls der Zeit geblieben sind.
Pünktlich um 22 Uhr war dann Schluss, denn das nächste Highlight und zugleich der Abschluss des Festwochenendes stand auf dem Programm: das Lichtspektakel. „Heute ist eine besondere Nacht. Der Sternenhimmel über unserer Stadt zeigt sich von einer völlig neuen Seite“, kommentierte passend dazu die Begleitstimme zu Beginn der rund zehnminütigen Lichtshow, in der die Geschichte der Stadt Walldorf eindrucksvoll mit 200 Drohnen in Szene gesetzt wurde.
Damit ging ein Fest zu Ende, das das Jubiläum „125 Jahre Stadtrechte“ mehr als würdig gefeiert hatte und den Besucherinnen und Besuchern noch lange in Erinnerung bleiben wird.