05.08.2026, Startseite

Olli Roth bittet zum Duett

Olli Roth bat beim #summersound-Konzert im AQWA sein Frau Katinka zum Duett Und natürlich unterhielt er auch solo die Zuhörer bestens. Foto: Stadt Walldorf

Gelungene Einlage mit seiner Frau Katinka beim #summersound-Konzert im AQWA

Hat man einen Künstler wie Olli Roth über die vielen Jahre hinweg ein paar Dutzend Mal oder öfter live hören dürfen, gibt es wenig bis nichts Neues mehr zu erwarten. Dann ist alles wie immer, gut, sehr gut, aber kaum mehr zum Staunen. Oder? Nein, keineswegs. Der Walldorfer Sänger und Gitarrist ist dann nämlich doch sehr gerne für eine Überraschung gut. Beim #summersound-Konzert im AQWA-Freibad, Auftakt der diesjährigen sommerlichen Reihe der Stadt, singt er im Duett mit seiner Frau Katinka – das haben die wenigsten der erfreulich zahlreichen Zuhörer schon erlebt.

Zudem picken sich die beiden selten gehörte Stücke aus der Musikgeschichte: erst „Calm After the Storm“ der holländischen Band The Common Linnets, einen einstigen Beitrag zum Eurovision Song Contest. Und dann sogar einen eigenen Song, einen von nach Roths Worten vielleicht nur drei deutschsprachigen, die er im Lauf seiner über 50-jährigen Musikerkarriere geschrieben hat. „Wenn du dich traust“ hat zu einer ruhigen Melodie einen nachdenklichen, aber Mut machenden Text. Die Botschaft: trau dich, glaub an dich, das wird belohnt. Spannend auch die Story hinter dem Song, den Olli Roth für eine Lesereise mit dem Autor Florian Sitzmann geschrieben hat, der im Alter von 16 Jahren bei einem schlimmen Autounfall beide Beine verloren und das unter anderem in seinem Buch „Der halbe Mann – Dem Leben Beine machen“ verarbeitet hat. Die beiden Duette kommen beim Publikum an, Katinka darf später für die finale Zugabe wiederkommen. Auch das emotionale „Falling Slowly“ des gerade erst vor wenigen Tagen verstorbenen irischen Sängers Glen Hansard wird eher selten gespielt – obwohl der Song aus dem Film „Once“ einen Oscar gewonnen hat.

Die Songs aus Ollis Standard-Repertoire machen natürlich ebenfalls Spaß und unterhalten bestens: Da ist gleich zum Auftakt das beliebte „The Joker“ der Steve Miller Band, bei dem sofort die Loop-Station ihren ersten Einstz hat. Die ersetzt bei „Papa was a Rolling Stone“ dann tatsächlich eine ganze Band, indem der Musiker erst seine eigene Rhythmussektion sampelt und vom Band ablaufen lässt und sich so ganz dem Gesang und der Leadgitarre widmen kann. Immer wieder stark und gut gemacht. Dass die Technik später streikt, lässt sich leicht weglächeln – gibt es eben völlig handgemachten Ersatz.

Im grellbunten Hawaiihemd, das übergroße Ananasfrüchte schmücken, sommerlich gekleidet, stöhnt der Musiker über die Hitze, empfiehlt, viel zu trinken, und gibt Wüsten-Pop wie „A Horse with No Name“ (America) oder Getränketipps wie „Tequila Sunrise“ (Eagles) zum Besten und entführt auch mal zum „Buena Vista Social Club“. Wünsche werden ebenfalls gerne erfüllt, auch wenn der Text von „What‘s up“ (Four Non Blondes) eine kleine Stolperfalle für den Sänger bereithält – im dritten Anlauf wird die Hürde souverän überwunden. Schuld sind natürlich die Frauen beziehungsweise die Sängerin des Originals, ihre Stimme oder eben Olli Roth selbst. „Man sollte nie etwas singen, was man nicht kann“, meint er. Und präsentiert, wie um sich selbst zu widerlegen, auf seiner Gitarre das Klavierstück „Rocket Man“ von Elton John.

Die Musik passt perfekt zum Sommerabend, der mit Blick auf den Badesee hin und wieder sogar ein laues Lüftchen beisteuert, das die Hitze ein wenig dämpft. Dazu gibt‘s passend mit „Take it Easy“ eine weitere Eagles-Nummer, das immer schöne „Jack and Diane“ (John Mellencamp), aber auch Gute Laune verbreitende Songs wie You Can Call Me Al (Paul Simon), „Wild Horses“ (Gino Vanelli) oder „Down under“ (Men at Work). Ein gelungener Auftakt der #summersound-Reihe, dem zwei weitere Konzerte folgen.

Info: Dienstag, 11. August, Joe Ibrahim und Stephan Keller. Mittwoch, 12. August, Tara; jeweils 18 bis circa 20 Uhr am Bouleplatz im AQWA-Freibad.

(Armin Rößler)