22.07.2026, Startseite
Potenzial ist da, die Hürden sind hoch
Ein Bild aus längst vergangenen Tagen: Als Walldorf 1902 die Stadterhebung feierte, wurde auch die noch von Pferden gezogene Straßenbahn eingeweiht. Foto: Stadtarchiv
Machbarkeitsstudie favorisiert Straßenbahn von Heidelberg zum Bahnhof Wiesloch-Walldorf
Jens Wilkes (Rhein-Neckar-Verkehr GmbH, Abteilung Planung) und Sabine Schmitt (Leiterin des Amts für Nahverkehr im Landratsamt Rhein-Neckar) stellten dem Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie zur möglichen Straßenbahnverlängerung von Heidelberg in den Süden der Region vor. „Das Ergebnis war nicht so auskömmlich“, sagte Wilkes zur bereits 2024 untersuchten großen Ringlösung mit Einbindung Walldorfs, die wirtschaftlich nicht überzeugen konnte. Zwei weitere Alternativen – die sogenannten Planfälle sieben und acht –, die 2025 geprüft wurden, zeigen aber, dass eine Schienenanbindung der Region über den Bahnhof Wiesloch-Walldorf grundsätzlich Perspektiven hat. Ob diese aber wirklich kommen könnte, kann derzeit noch niemand realistisch sagen.
Untersucht wurde zunächst, ob eine Verlängerung der Straßenbahn von Heidelberg über Leimen und Nußloch in Richtung Wiesloch und Walldorf technisch machbar und förderfähig wäre. Anlass waren frühere Überlegungen aus dem Nahverkehrsentwicklungsplan des Rhein-Neckar-Kreises sowie aus dem Mobilitätspakt Walldorf/Wiesloch. In einem ersten Schritt wurden sechs Varianten betrachtet, darunter kleinere und größere Ringlösungen mit unterschiedlicher Streckenführung. Keine der Varianten erreichte allerdings den für eine Förderung erforderlichen Nutzen-Kosten-Wert von mindestens 1,0. Gerade für Walldorf erschienen die großräumigen Ringlösungen mit direkter Einbindung der Stadt wirtschaftlich nicht tragfähig.
In der zweiten Untersuchungsstufe wurden deshalb zwei weiterentwickelte Planfälle geprüft. Dabei erwies sich vor allem die Verbindung Heidelberg – Leimen – Nußloch – Wiesloch mit Endpunkt am Bahnhof Wiesloch-Walldorf (Planfall sieben) als aussichtsreich. Diese Variante erreicht als einzige einen positiven Nutzen-Kosten-Indikator von 1,15 und wäre damit grundsätzlich förderfähig – schlechter sähe es wiederum aus, wollte man diese Linie vom Bahnhof in die Stadt führen. Noch weniger Erfolg hatte die erneut untersuchte große Ringlösung unter Einbeziehung Walldorfs und Sandhausens. Sie blieb mit einem Wert von 0,59 deutlich unter der Fördergrenze.
„Wir sprechen über eine Strecke von 13,5 Kilometer“, sagte Wilkes zum Planfall sieben, der nach seinen Worten nach heutigem Stand rund 220 Millionen Euro kosten würde und über einen Zeitraum von acht bis zehn Jahren gebaut werden könnte. Diese Strecke von Heidelberg bis zum hiesigen Bahnhof zeige „starke Nachfragepotenziale“. Positiv aus Sicht von Sabine Schmitt: „Es gibt eine Variante.“ Allerdings müsse man diese nun auch mit dem Augenmerk betrachten, dadurch das bereits bestehende ÖPNV-Angebot nicht zu beeinträchtigen. Auf Rückfragen zur möglichen Finanzierung sagte sie: „Wir brauchen alle Kommunen im Boot.“ Es gebe noch keine Festlegungen. Zunächst müssten alle Beteiligten besprechen, wie es weitergehen könne, „dann muss man Schritt für Schritt gucken“.
Mathias Pütz (CDU) sprach von einer „geringen Wahrscheinlichkeit“ der Realisierung der Straßenbahn-Pläne. Zwar stehe die verbliebene Variante „vor hohen Hürden“, dennoch befürworte man ihre weitere Untersuchung mit Blick auf die potenzielle Bedeutung für die Walldorfer Gemarkung. Auch die SPD befürwortet laut Dr. Andrea Schröder-Ritzrau „grundsätzlich schienengebundenen Verkehr“ und sei dem Thema gegenüber „grundsätzlich positiv“. Man wolle aber auf keinen Fall, dass durch die Straßenbahn Buslinien entfallen und Walldorfer Bürger weniger klimaschonend zur Arbeit kommen.
Dr. Günter Willinger begrüßte für die FDP die Überlegungen, sah aber zugleich „eine Realisierung noch in weiter Ferne“. Nach seinen Worten muss daneben auch die Anbindung des Industriegebietes „weiter im Auge behalten werden“, wofür seine Fraktion schon vor Jahren die Untersuchung einer Personen-Seilbahn vorgeschlagen habe. „Dies stellen wir hiermit nochmals zur Debatte“, sagte er. Wilfried Weisbrod (Bündnis 90/Die Grünen) erklärte: „Wir begrüßen es, wenn der schienengebundene Verkehr zustande kommt.“ Denn es sei immer ökologischer, Menschen mit der Bahn zu transportieren, auch die Umweltbilanz der Straßenbahn sei deutlich besser ist als die eines Busses. Für ihn bleibe es wichtig, das Thema eng zu verfolgen und „auf das Projekt positiv einzuwirken“, so Weisbrod. Und Mihriban Gönenç (Zusammen für Walldorf) sieht in den Ergebnissen der Machbarkeitsstudie eine gute Grundlage, „die Planungen weiter zu verfolgen“.