27.07.2026, Startseite

Sommerabend wie aus dem Bilderbuch

Die Stadt schenkte auf ihrem Jubiläumsfest 125 Liter Freibier aus – es fand reißenden Absatz. Foto: Stadt Walldorf

Auftakt des Festwochenendes begeistert mit Musik, Tanz und kulinarischen Genüssen

„Ein perfekter Sommerabend“ könnte die Überschrift für den Samstag lauten, an dem der erste Teil des Festwochenendes „125 Jahre Stadtrechte“ auf dem Gelände des Schulzentrums über die Bühne ging. Bühne ist dabei ein gutes Stichwort, denn sowohl die Programmpunkte der Vereine als auch die Livemusik zählten zu den vielen Höhepunkten, die der Tag den Besucherinnen und Besuchern bot. Und die kamen in Scharen. Vor allem am Abend, kurz vor der offiziellen Eröffnung, füllte sich das Gelände zusehends. Die Rahmenbedingungen hätten kaum besser sein können: Sommerliches Wetter sorgte für das passende Festivalgefühl, das das gesamte Wochenende prägte.

Am Nachmittag begannen die ersten Programmpunkte: Der Deutsch-Indische Freundeskreis präsentierte klassische Tänze in traditionellen Kostümen. Auch das Thema „Bollywood“ wurde tänzerisch in Szene gesetzt, während silberne Anzüge bei einem modernen Tanz futuristische Akzente setzten. Während zunächst reine Frauenformationen auftraten, begeisterte später auch eine Männergruppe, die mit ihrer Bühnenperformance Michael Jackson huldigte. Das Publikum belohnte die Darbietungen mit lang anhaltendem Applaus.

Das erste musikalische Ausrufezeichen setzte die Jugendband Bouncing Sheep. Sie spielte sowohl Coverversionen als auch eigene Songs. Letztere beschäftigten sich unter anderem mit aktuellen gesellschaftlichen Themen – Zeilen wie „Au revoir – der Planet ist im Arsch“ machten die bitter-ironische Botschaft deutlich. Der Song „Gefallene Soldaten“, eine weitere Eigenkomposition, sei den vielen Soldaten gewidmet, die in den aktuellen Kriegen auf der Welt ihr Leben verlieren, erklärte Sänger Lucas. „Ich bin etwas angeschlagen“, entschuldigte er sich für den einen oder anderen Räusperer sowie kurze Trinkpausen. Am Mikrofon ließ er jedenfalls keine Power vermissen – ebenso wenig wie seine beiden Bandkollegen David an der Gitarre und Elias am Schlagzeug. Die energiegeladene Performance kam beim Publikum hervorragend an und bereitete den perfekten Übergang für die Flashdancers der Astoria Störche. Sie präsentierten unter dem Motto „Die Raupe wird zum Schmetterling“ eine bunte, gut choreografierte Showeinlage. Trainiert wird die Gruppe von Katharina Bender, die zuvor als Mitarbeiterin der städtischen Öffentlichkeitsarbeit auch durch das Bühnenprogramm führte.

Nebenan im Freibad des AQWA fand parallel für das jüngere Publikum die große Beachparty für Teenager statt, die vom Team des JUMP organisiert und zusammen mit den Jugendgruppen der KJG und EGJ durchgeführt wurde. Während DJ Niko für wummernde elektronische Beats sorgte, konnten die jungen Gäste auf dem Sand der Beachvolleyballplätze tanzen oder es sich auch in den Liegestühlen gemütlich machen. Alkoholfreie Cocktails gab es auch: Blue Hawaiian, Tropical Sunrise und Dine Berry untermalten die Urlaubsstimmung im Freibad. Zwar hätte man sich insgesamt mehr Gäste zur Beach-Party gewünscht, so Hans-Jörg Burggraf, stellvertretender Leiter des JUMP. Aber es habe trotzdem ein ständiges „Kommen und Gehen“ geherrscht. Zum Verweilen lockten diverse Spiele wie Tischkicker mit Besenstiel. Außerdem gab es kostenlose Cocktails bei einem Gewinnspiel abzustauben. Die Spiele habe man im Vorfeld der Veranstaltung selbst konzipiert und gebaut, betonte JUMP-Mitarbeiter Daniel Hofmann und verwies auf den großen Aufwand, den das gesamte Team für eine gelungene Beach-Party betrieben habe. Dass die Spiele dann so gut ankamen, freute die Verantwortlichen sichtlich.

Während das Klima im Freibad sich naturgemäß etwas milder anfühlte, machten die teils schweißtreibenden Auftritte auf der Bühne im Schulzentrum schon beim Zuschauen Durst, die hohen Temperaturen taten ihr Übriges. Damit keine Kehle trocken blieb und auch für das leibliche Wohl gesorgt war, bot das Foodtruck-Festival eine große kulinarische Vielfalt. Von Kebab Bowl über italienische Arancini, klassischer Bratwurst mit Pommes, Langos in verschiedenen Variationen bis hin zu Wraps und indischen Spezialitäten sowie süßen Leckereien war für jeden Geschmack etwas dabei. Auch die Getränkekarte ließ mit Smoothies, Cocktails, Longdrinks und Bier kaum Wünsche offen.

Apropos Bier: Gut gefüllt waren auch die Bierfässer, die zur offiziellen Eröffnung vor der Bühne bereitstanden. Passend zum Jubiläum wurden nämlich 125 Liter Freibier ausgeschenkt. Zuvor begrüßten Bürgermeister Matthias Renschler und Spargelkönigin Kira I. die Gäste, die den Platz vor der Bühne und den gesamten Veranstaltungsbereich inzwischen zahlreich gefüllt hatten. Der Bürgermeister dankte allen, die das Fest möglich gemacht haben – den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt, den Vereinen sowie allen Helferinnen und Helfern, „die mit Engagement und Herzblut zum Gelingen beitragen“. Den Besucherinnen und Besuchern wünschte er ein „fröhliches, friedliches und unvergessliches Fest“ – ein Wunsch, der sich im Verlauf des Wochenendes mehr als erfüllen sollte.

Das Freibier fand anschließend reißenden Absatz. Die Jubiläumsbecher, die gegen Pfand an den Vereinsständen erhältlich waren, wurden vom Bürgermeister und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt im Akkord gefüllt. Währenddessen verteilte Spargelkönigin Kira I. Gummibärchen an die Kinder und erfüllte gerne zahlreiche Fotowünsche.

Fotos der besonderen Art konnten die Besucherinnen und Besucher in der Astoria-Halle machen, wo eigens eine Fotobox eingerichtet wurde. Dazu konnten sie vor einem Jubiläumsmotiv posieren und sich per Selbstauslöser fotografieren lassen. Zusätzlich lagen verschiedene Accessoires wie Schnurrbärte, Hüte, Kronen und lustige Spruchtafeln bereit, die das Erinnerungsfoto bei Bedarf aufpeppten. Das Bild wurde direkt vor Ort ausgedruckt und konnte als Andenken mit nach Hause genommen werden. Dieses Angebot war – ebenso wie der Eintritt zur SWR3 Party, die ebenfalls in der Astoria-Halle stattfand – kostenlos.

Schade nur, dass die Party letztlich nicht den Zuspruch fand, den sie verdient gehabt hätte. An DJ Bene lag das sicher nicht. Er bot die ganze Bandbreite an Rock- und Popklassikern der vergangenen Jahrzehnte. Als besonderes Gimmick verloste er im Laufe des Abends einige der beliebten SWR3-Elche. Auch Musikwünsche nahm DJ Bene gerne entgegen: „Was du Liebe nennst“ von Bausa ist der erste Wunsch des Abends, danach folgt Whitney Houstons „How Will I Know“, später erklingt „Insomnia“ von Faithless. An Schlaf war zu diesem Zeitpunkt allerdings noch lange nicht zu denken.

In Walldorf aufgewachsen, macht die heute in Berlin lebende Sängerin und Songwriterin Fiora ehrlichen und emotionalen Indiepop. Schade, dass ihr Auftritt von einigen Problemen am Mischpult überlagert wurde. Trotzdem kamen ihre Songs über das Loslassen und Neuanfänge nicht nur bei ihren Fans sehr gut an. Wie Armin Rößler, der am Abend die Programmpunkte ansagte, verriet, wird sie kommendes Jahr wieder auf Tour gehen und dann unter anderem in Heidelberg auftreten.

Zum Höhepunkt des Abends spielte sich auf der Bühne im Schulzentrum die Band Barbed Wire in die Herzen des Publikums. Ob „I Want It That Way“ von den Backstreet Boys oder Natasha Bedingfields „Unwritten“ – Barbed Wire verpasste jedem Titel einen rockigen, teilweise sogar hardrockigen Anstrich. Bei „Livin' on a Prayer“ von Bon Jovi oder „Schrei nach Liebe“ von den Ärzten war das kaum noch nötig. Die Stimmung erreichte schnell ihren Höhepunkt. „Habt ihr noch Power?“, fragte Sängerin Selina bereits früh am Abend. Ein laut jubelndes Publikum lieferte die passende Antwort. Und die Energie reichte auf beiden Seiten bis Mitternacht. Zeit genug, zwischendurch auch die Outfits zu wechseln: Für ein Abba-Medley, unter anderem mit „Gimme! Gimme! Gimme!“ und „Mamma Mia“, präsentierten sich die Bandmitglieder in silberglänzenden Kostümen und versprühten auch optisch den Charme der 70er Jahre. Bei „Westerland“ (Die Ärzte) wurde das Publikum schließlich animiert, mit erhobenen Armen im Takt nach links und rechts zu schunkeln. Pünktlich um Mitternacht war auf dem Schulgelände Schluss, und DJ Bene, der bis 1 Uhr auflegte, freute sich über doch noch regen Zulauf in der Astoria-Halle.