05.08.2026, Startseite
Umweltministerin sieht „ein gutes Beispiel“
Mit der Ministerin in der Kläranlage: (v.li.) Sandhausens Kämmerin Melissa Steinert, Bürgermeister-Stellvertreter Uwe Herzog (Sandhausen), Landtagsabgeordnete Christiane Staab, Walldorfs ehrenamtliche Bürgermeister-Stellvertreterin Katrin Siebold, Betriebsleiterin Stefanie Ehrlich, Umweltministerin Thekla Walker, Landtagsabgeordneter Yannick Veits, Nußlochs Bürgermeister Joachim Förster und Landrat Manuel Just. Foto: Stadt Walldorf
Thekla Walker besucht die Kläranlage des Abwasserzweckverbands Untere Hardt
„Das ist Gesundheitsschutz und auf jeden Fall lohnenswert“, sagt Thekla Walker. Baden-Württembergs Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft besucht die Kläranlage des Abwasserzweckverbands Untere Hardt in St. Ilgen und lässt sich dort die sogenannte „vierte Reinigungsstufe“ vorführen, nicht nur in ihren Augen ein Vorzeigeprojekt im Rhein-Neckar-Kreis. Die hohen Kosten – rund elf Millionen Euro für die beteiligten Kommunen Walldorf, Leimen, Nußloch und Sandhausen, von denen das Land knapp zwei Millionen als Förderung trägt – seien „eine nachhaltige Investition“, so Ministerin Walker. Wasser, seine Verfügbarkeit und Qualität seien „eine große Aufgabe für die nächsten Jahre“. Wie man sie angehen könne, dafür finde man im Zweckverband und seiner Kläranlage „ein gutes Beispiel“.
Nußlochs Bürgermeister Joachim Förster begrüßt als Stellvertreter des Verbandsvorsitzenden Hakan Günes (Bürgermeister von Sandhausen) und im Namen der Verbandskommunen die Ministerin auf ihrer „Sommertour“, Landrat Manuel Just, die Landtagsabgeordneten Christiane Staab und Yannick Veits, Walldorfs ehrenamtliche Bürgermeister-Stellvertreterin Katrin Siebold sowie aus Sandhausen Bürgermeister-Stellvertreter Uwe Herzog und Kämmerin Melissa Steinert. „Wir haben viel investiert in den letzten Jahren“, sagt Förster mit Blick auf den hohen Schuldenstand des Verbands, der durchaus Sorgen bereite. Dem Land sei man dankbar für die Unterstützung und hoffe, diese auch künftig zu erhalten – schließlich profitierten am Ende die Bürgerinnen und Bürger.
Thekla Walker zeigt sich froh, dass Baden-Württemberg „ein Vorreiter“ bei der vierten Reinigungsstufe sei. „Es ist sehr wichtig, Mikroschadstoffe aus dem Abwasser zu filtern“, sagt sie. Deshalb müsse das Land – wie im speziellen Fall durch die Förderung geschehen – auch künftig Mittel für die wichtigen Aufgaben beisteuern, die im Bereich der Wasserwirtschaft anstünden. Möglichst unbelastetes Abwasser sei „ein Baustein in diesem wichtigen Themenfeld“. Walker spricht den Masterplan Wasserversorgung ihres Ministeriums an, der einerseits eine Bestandsaufnahme sei, darüber hinaus aber das Ziel verfolge, eine zukunftsfähige Wasserversorgung zu sichern, die Trinkwasser verlässlich, in guter Qualität und zu einem angemessenen Preis zur Verfügung stellt.
Betriebsleiterin Stefanie Ehrlich gibt den Besuchern einen Überblick über die Arbeit der Kläranlage. Diese ist auf 110.000 Einwohnerwerte ausgelegt (zu den rund 70.000 Menschen im Einzugsgebiet kommen noch Industrie und Gewerbe), ihre vierte Reinigungsstufe – im Fachbegriff Phosphor- und Spurenstoffeliminations- oder PSE-Anlage – ist bereits seit 2022 am Start, war aber zunächst lange im Probetrieb, in dem einige Kinderkrankheiten ausgemerzt wurden. „2025 wurde die geforderte Reinigungsleistung sicher erreicht“, erklärt die Betriebsleiterin mit Blick auf eine „Eliminationsleistung“ von 89 Prozent. Dabei werden unter anderem die Überreste von Medizinprodukten und Mikroplastik aus dem Wasser gefiltert. Das sei allerdings „kein Selbstläufer“, dafür brauche man qualifiziertes Personal und auch in Zukunft die finanzielle Unterstützung der Verbandskommunen. Mit der Spurenstoffentnahme schütze man zunächst einmal den an der Kläranlage entlang verlaufenden Landgraben, dessen vor einigen Jahren sehr schlechte Wasserqualität und ökologischer Zustand der ursprüngliche Auslöser für die vierte Reinigungsstufe war, und insgesamt die Natur.
Wie komplex der Prozess ist, Phosphor und vor allem die Spurenstoffe aus dem Wasser lösen, zeigt sich beim Blick auf die Arbeitsabläufe der PSE-Anlage, die Stefanie Ehrlich und Wassermeister Florian Omiecina erläutern. So wird das bereits vorgeklärte Wasser in den Keller des Maschinenhauses gezogen, in dem fünf Großpumpen stehen, die es in das 26 Meter durchmessende und vier Meter tiefe Sedimentationsbecken befördern. Dort wird Pulveraktivkohle zugesetzt. Fäll- und Flockmittel helfen der Kohle, sich wieder abzusetzen und dabei gleichzeitig Phosphor und Spurenstoffe aus dem Wasser zu lösen. Was sich im Sedimentationsbecken noch nicht absetzt, wird in der darauf folgenden Tuchfilteranlage aus dem Wasser filtriert. Ein Prozess, der, je nachdem ob es gerade regnet oder Trockenheit herrscht, zwischen drei und 30 Stunden dauern kann.