16.09.2026, Startseite
Vielfalt, Forschung und regionale Identität
Bürgermeister Matthias Renschler durfte vor den Augen von Mitgliedern des Jugendrats, der Landtagsabgeordneten Christiane Staab (2.v.li.) und Yannick Veits (3.v.li.) sowie Kikusch-Mitarbeiterin Nadine Nieder (re.) Gips in eine Brezelform gießen, die später für das Kunstprojekt verwendet wird. Foto: Stadt Walldorf
Kikusch bringt sich ins Kunst-Puzzle von Baden-Württemberg ein
„Ein tolles Projekt“, findet Bürgermeister Matthias Renschler, als er der Kinder- und Jugendkunstschule Kikusch gemeinsam mit den Landtagsabgeordneten Yannick Veits (Bündnis 90/Die Grünen) und Christiane Staab (CDU) einen Besuch abstattet. Grund ist die aktuelle Umsetzung des landespolitischen Kunstprojekts „Demokratie gestalten: Das bewegte künstlerische Puzzle Baden-Württembergs“, an dem sich die Kikusch gemeinsam mit allen Kunstschulen des Landes Baden-Württemberg beteiligt. Ziel ist es, eine begehbare, mobile, circa zehn mal zwölf Meter große Bodeninstallation aus 47 Teilen zu gestalten, die zusammengelegt das Bundesland darstellt. Die 47 Teile sollen jeweils für eine Region beziehungsweise einen Kunstschulstandort stehen. Das fertige Kunstwerk wird am Donnerstag, 5. November, im Foyer des Landtags Baden-Württemberg in Stuttgart vorgestellt und bis zum 13. November dort ausgestellt.
„Die Planung für das Projekt hat schon im vergangenen Herbst begonnen“, erläutert Kikusch-Leiterin Elisabeth Kamps den Gästen. Für die Umsetzung zeichnen die Mitglieder des Jugendrats der Kikusch verantwortlich. Die Kikusch fertigt zwei Puzzleteile beziehungsweise bewegliche Platten an, da es für die Region Sinsheim keine zuständige Kunstschule gibt. „Wir wollten sowohl die Kikusch als auch die Region und die Ideen der Mitglieder des Landtags repräsentieren“, so Elisabeth Kamps. Für die Puzzleteile wurden die beiden Formen der Bronzereliefs wiederverwendet, die die Kikusch für die Stele auf dem Sparkassenvorplatz gestaltet hat. Diese wurde Ende Juli im Rahmen des Jubiläums „125 Jahre Stadtrechte“ feierlich eingeweiht (die Walldorfer Rundschau berichtete).
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kunstprojekts verwenden vor allem Gips als Material, den sie in die Reliefformen gießen. So gewinnen sie einzelne Bestandteile, die sie dann auf den Platten zu einem neuen Motiv zusammensetzen. Eine Platte ist mit einem „Berg“ aus Süßigkeiten versehen, der für die Vielfalt von Walldorf steht, so Elisabeth Kamps – quasi eine „Sweet Diversity“. Außerdem ist darauf eine Filmrolle angebracht.
Auf der anderen Platte sind Eicheln und Eichenblätter zusammengesetzt, darüber ist ein Mikroskop zu sehen. Das solle den Forscherdrang der Kikusch symbolisieren – auch in Bezug auf den Färbergarten. Die Farben, die man zum Anmalen der beiden Kunstwerke verwendet, wurden unter anderem mit Roter Bete, Holunderblüte und Zitronensäure selbst angerührt, betont Kamps. Insgesamt eine „Wahnsinnsarbeit“, die der Jugendrat hier leiste. Dafür bekommen sie Lob und Anerkennung von Matthias Renschler, Christiane Staab und Yannick Veits. Die drei Gäste dürfen sich auch noch in das Kunstprojekt einbringen: „Was sind Ihre Lieblingssüßigkeiten?“, wollen die Mitglieder des Jugendrats von den Besuchern wissen. Diese dürfen sie dann nämlich selbst in Form gießen. Christiane Staab entscheidet sich für die Zimtschnecke, Yannick Veits für saure Schlangen und Bürgermeister Matthias Renschler mag die Brezel am liebsten. Der darf dann auch gleich als Erster zur Tat schreiten und den Gips in die Brezelform füllen. „Die bauen wir mit ein“, verspricht Elisabeth Kamps. „Ich bin gespannt, wie das dann alles zusammenwirkt“, sagt Yannick Veits und freut sich auf die Präsentation des fertigen Kunstwerks im Landtag.
Die Mitglieder des Jugendrats haben zum Abschluss des Besuchs noch einen Wunsch, vor allem an die beiden Politiker aus dem Landtag: „Wir hätten gerne eine Kinderwahl“, sagt Magdalena in Anlehnung an die politischen Wahlen, an denen üblicherweise nur Erwachsene teilnehmen dürfen. „Daran sollten Kinder und Jugendliche ab zehn Jahren teilnehmen dürfen – mit kindgerechten Wahlprogrammen.“ Außerdem würde man sich einen früheren Kontakt zu den Politikern in den Schulen wünschen, nicht erst ab der Oberstufe. Die Idee finden die Gäste prima. Allerdings müsse man natürlich schauen, ob sich so etwas landesweit umsetzen lasse. Ein ähnliches Projekt habe man in Walldorf vor rund zwei Jahren mit dem Achterrat umgesetzt, betont Bürgermeister Matthias Renschler. Es sei ein „tolles Projekt“ gewesen, an dem sich alle achten Klassen beteiligt und viele gute Ideen eingebracht hätten.