03.09.2026, Startseite

Von der Kindheit ins Erwachsenenalter

Noice begeisterte beim Zeltspektakel. Foto: Helmut Pfeifer

Noice singt zum Auftakt des Zeltspektakels mit viel Gefühl durchs Leben

Tosender Applaus, Standing Ovations, restlose Begeisterung – das Publikum feierte die A-cappella-Gruppe Noice am Ende ihres Auftritts zum Auftakt des diesjährigen Zeltspektakels. Zuvor hatten die fünf Mitglieder Marie (Sopran), Anika (Mezzosopran), Saskia (Alt), Finn (Tenor) und Max (Bass) rund zwei Stunden lang mit ihren gefühl- und kraftvollen Stimmen für zahlreiche Gänsehautmomente gesorgt.

Eröffnet wurde der abwechslungsreiche Abend von Organisator Jürgen Vogel, der das Publikum zur 25. Auflage des Zeltspektakels begrüßte. Vogel stellte in diesem Zusammenhang kurz ein paar beeindruckende Zahlen vor: Auf 253 Abende mit 570 Veranstaltungen im und um das Zirkuszelt kann das Zeltspektakel zurückblicken. „Vielen lieben Dank an alle, die bisher beteiligt waren“, drückte Vogel seine Wertschätzung aus.

Dann überließ er Noice die Manege. Die Gruppe trat mit ihrem Programm „Echoes of Emotion“ auf. Der rote Faden war dabei, die Entwicklung von der Kindheit über die Jugend bis zum Erwachsenenalter musikalisch nachzuzeichnen, erklärte Sänger Finn nach den ersten zwei Songs, darunter „Jericho“ von Iniko. Eine Hommage an eine schöne Kindheit mit vielen Erlebnissen in der Natur war der Song „Butterfly“. Einen Ausflug in die Welt der Musicals unternahm Noice ebenfalls, zum Beispiel mit dem Song „For Good“ aus Wicked. Und beim Thema Kindheit durfte ein Zwischenhalt im Universum der Disneyfilme natürlich auch nicht fehlen: „Mutter weiß mehr“ aus Rapunzel ließ bei dem einen oder anderen im Publikum sicher Kindheitserinnerungen wach werden. Überhaupt zeigte sich das Publikum im Rund der Manege äußerst angetan vom Auftritt der fünf Sängerinnen und Sänger, die ihre Darbietungen oft mit feinen Tanzchoreografien untermalten.

Dass die Jugend eine Phase des Austestens ist, zelebrierte Noice mit dem Song „Think About Things“ von Daði Freyr and his band Gagnamagnið. „Wir arbeiten auch mit Looping“, sagte Sänger Finn an einer Stelle und wies damit auf eine inzwischen weit verbreitete Technik in der Musik hin: live kurze Sounds aufzunehmen und sie dann in einer Wiederholungsschleife abzuspielen. „Wenn’s doof klingt, bin ich schuld“, versicherte Sängerin Marie augenzwinkernd. Doof klang es natürlich überhaupt nicht. Vielmehr zeigten die Sängerinnen und Sänger eindrucksvoll, wie die Technik Beatbox-Sounds reproduzierte und so den einen oder anderen Song musikalisch bereicherte.

Die Liebe durfte als Thema natürlich nicht fehlen und damit auch ein schmerzhafter Teil des Erwachsenwerdens. Dem wurde mit dem Song „Coffee“ Rechnung getragen. Und dass man gerade in der Jugend auch Dinge tut, die man später bereut, kam mit dem Song „Don’t Blame Me“ zum Ausdruck.

Die Songs kamen mal gefühlvoll, mal melancholisch daher, nahmen aber durchaus auch Fahrt auf: Kurz vor der Pause sang Noice „Wildberry Lillet“ von Nina Chuba, und das Publikum klatschte begeistert mit.

„Jetzt werden wir erwachsen“, kündigte Noice den zweiten Teil des Abends an. „Erwachsen heißt, man selbst zu sein. Man muss nicht immer alles im Griff haben“, nahm Sänger Finn einen persönlichen Bezug zum Thema. Fehler zu machen, sei ganz normal. „Ich lebe grade zum ersten Mal“ heißt es passenderweise im Song „Unsicher“ von Nina Chuba. Und gefühlvoll ging es weiter mit „I’ve Never Been So Wrong“ von London Grammar. Die Mitglieder von Noice stellten einige der Songs näher vor, Sänger Max machte das mit viel Selbstironie: Man müsse schließlich den Text der Songs gut kennen, um sie vorzustellen. Was für ihn als Bass gar nicht so leicht sei, schließlich singe er meistens „du, ba dum“ – mit diesem augenzwinkernden Understatement hatte er die Lacher des Publikums auf seiner Seite. Natürlich kannte er sich mit der Hintergrundgeschichte von „Blackbird“ bestens aus, einem Song der Beatles, der 1968 im Zuge der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung entstanden ist.

„Wir kommen zum Ende“, sagte Sänger Max schließlich, während die anderen sich auf den Boden in der Manege legten. „Moves to Make“ ist einer der letzten Songs von Noice. Zum Abschluss durfte das Publikum noch mitsingen: Mit „Oh, oh, oh“ war der Text denkbar einfach, die Melodie ebenfalls nicht zu anspruchsvoll. So wurde das Rund der Manege an den entsprechenden Textstellen von „Fly Away“ mit einem Chor im Kanon gefüllt – ein schöner Abschluss mit Gänsehautfaktor.

Jedenfalls fast: Das Publikum hatte offenbar noch nicht genug, nachdem sich die Sängerinnen und Sänger von der Bühne verabschiedet hatten, und forderte mit Chorgesang eine Zugabe. Die gab es mit dem Song „Crazy“ von Gnarls Barkley – dann war tatsächlich Schluss, und das beseelte Publikum strömte nach draußen, wo es bei Live-Musik der Louis Trinker Band auf der Late-Night-Bühne den Abend stimmungsvoll ausklingen ließ.

Dominic Manuel