08.07.2026, Kultur & Freizeit

Wenn Abschied für Kinder plötzlich Thema wird

Oliver Tuscher und Marion Pflästerer zeigten die Entwicklungen bei Kindern im
Umgang mit dem Tod auf. Foto: Stadt Walldorf

Großes Interesse an Informationsveranstaltung in der Stadtbücherei

Mit Trauer wird jeder Mensch im Laufe seines Lebens konfrontiert. Und das in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen und aus unterschiedlichen Gründen. Vor allem Kinder und Jugendliche brauchen Unterstützung beim Trauerprozess. Das wurde bei der Veranstaltung „Wie Kinder trauern – wenn Abschied plötzlich Thema wird“ deutlich, zu der die Stadtbücherei in Kooperation mit dem Familienzentrum, der evangelischen Pfarrgemeinde und der Traueroase eingeladen hatte. Im Innenhof der Stadtbücherei fanden sich zahlreiche Interessierte ein – wesentlich mehr als die Verantwortlichen erwartet hatten. Marion Pflästerer, pädagogische Leitung des Familienzentrums Walldorf, habe die Idee zu der Veranstaltung gehabt, sagte Stadtbüchereileiterin Barbara Grabl in ihrer Begrüßung. Trauer gehe man zwar gerne aus dem Weg, „aber es holt jeden irgendwann ein“, so Grabl, die einen informativen und hilfreichen Abend wünschte. 

Andrea Gramlich vom Vorstand des Vereins Generationenübergreifendes Leben Walldorf, der unter anderem die Angebote für Trauernde „Frühstücksoase“ und „Trauer-Oase für Eltern von früh verstorbenen Kindern und Sternenkindern“ macht, sprach zu Beginn über ihre Erfahrungen im Umgang mit Trauer und Trauernden. „Lassen Sie sich auf die Trauer ein – Trauer ist ein Heilungsprozess“, riet sie den Anwesenden. Gramlich nannte Beispiele, wie sich der Trauerprozess auf den Alltag auswirken kann. Das Verhalten der Erwachsenen habe dabei einen unmittelbaren Effekt auf die Kinder. „Lassen Sie die Kinder an der Trauer teilhaben, erklären Sie, warum Ihr Verhalten vielleicht anders ist als sonst.“ 

Trauer könne unterschiedliche Ursachen haben: den Verlust des Arbeitsplatzes, einen Umzug, den Verlust eines Tieres oder natürlich den Verlust eines geliebten Menschen. Trauer stehe oft in Verbindung mit Gefühlen wie Angst und Wut. Und auch der Körper könne in Trauer mitreagieren, so Gramlich. Letztendlich sei die Erfahrung sehr individuell, es gebe kein falsches und kein richtiges Trauern. Aber: „Ich möchte Ihnen Mut machen: Sagen Sie ja zur Trauer, lassen Sie sich darauf ein – dann wird der Weg leichter.“  

Oliver Tuscher von der psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche und Marion Pflästerer zeigten den Gästen auf, wie Kinder und Jugendliche in den verschiedenen Altersstufen Tod und Trauer wahrnehmen und damit umgehen. Während Kinder im Alter von eins bis drei Jahren den Begriff Tod noch nicht verstehen würden, wecke das Thema im Alter von drei bis sechs Jahren Interesse und Neugier. Erwachsene sollten sich auf Fragen und Gedanken der Kinder einlassen, „auch wenn sie befremdlich wirken“. Ab sechs Jahren werde der Tod zunehmend realistischer wahrgenommen, es entstehe ein biologisches Verständnis dafür, die Eltern sollten sich Zeit für Gespräche nehmen und auch Gefühle thematisieren. 

Wenn es einen Todesfall in der Familie gebe, sollten Eltern auch die Kitas oder Schulen der Kinder informieren. Generell rieten Pflästerer und Tuscher, sich Zeit für die Kinder zu nehmen, um in den Austausch zu gehen. „Schließen Sie Kinder und Jugendliche nicht aus.“ Es sei wichtig, Räume zu schaffen, „wo sich Kinder aktiv beteiligen können“. 

Nach den Kurzvorträgen gab es die Gelegenheit, mit den Expertinnen und Experten ins Gespräch zu kommen. Pfarrer Uwe Boch war als Vertreter der evangelischen Kirchengemeinde vor Ort. Die Stadtbücherei hatte Literatur zum Thema ausgelegt. Laut Barbara Grabl waren die  Kooperationspartner „alle begeistert, weil zum einen so viele da waren und es zum anderen im Anschluss viele gute Gespräche gab“.